Traditionsgemäß rüstet das Luzerner Auktionshaus Galerie Fischer einmal im Jahr richtig auf. Dann verwandelt sich das 1927 gegründete und damit älteste Auktionshaus der Schweiz in ein antikes Waffenarsenal. Vom 8. bis 10.

September kommen nun wieder an die 3000 Säbel, Degen, Flinten, Revolver, Duellpistolen, Rüstungen, Uniformen und Helme zum Aufruf. Prunkstück der Auktion ist ein eiserner Feldharnisch vom Anfang des 16. Jahrhunderts, komplett mit Visierhelm, mit Brust-, Arm- und Beinzeug und Kuhmaulschuhen.

Die in Augsburg oder Nürnberg gefertigte Montur stammt aus einer Schweizer Privatsammlung und ist auf 64 500 bis 83 850 Euro geschätzt.

Zurückverfolgen lässt sich die Provenienz der Rüstung bis in die Sammlung Rudolph von Berthold in Dresden. 1885 wurde sie als Los Nummer eins für 5000 Goldmark in Köln versteigert. Als wir ein vergleichbares Stück zuletzt vor zehn Jahren anbieten konnten, sagt Rudolf Beglinger, der Experte des Auktionshauses Fischer, ersteigerte es ein Mexikaner zur Dekoration seiner Hazienda. Hingegen kauften Museen mit Militaria-Sammlungen so gut wie gar nichts mehr, sagt Beglinger bedauernd. Das Historische Museum in Berlin mit seiner wichtigen Sammlung habe die Bestände sogar ausgelagert.

So sind es vor allem Privatleute, die Militaria sammeln - und das aus den unterschiedlichsten Interessen. Manche staunen über die Kunstfertigkeit fein und aufwändig gearbeiteter Zielmusketen, Steinschlossbüchsen oder Perkussionsgewehre. Andere sammeln systematisch Zeugnisse aus einzelnen Epochen, etwa aus der Zeit der Bauernkriege. Einiges geht auch an Ausstatter neu zu möblierender Schlösser oder in den Fundus von Film und Theater.

Bei der diesjährigen Herbstauktion stehen die Waffenwunderwerke im Vordergrund. Manche werden wie kostbare Juwelenketten dargeboten, in Eichenholzkassetten, mit rotem Samt bespannt und mit Messingornamenten verziert, angefertigt von den Gebrüdern Léon und Jean Leroux aus Paris in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In dieser Kassette liegen zwei Luxuspistolen mit überkröntem Monogramm und reich beschnitzten Ebenholzschäften, die einst zum Scheibenschießen beziehungsweise zum Duell angefertigt worden waren. In dem Kästchen befindet sich alles komplett und in neuwertigem Zustand, was man für die Bedienung und Pflege der Pistolen braucht: Pulvermaß, Kugelzange, Ladestock, Hammer, Putzstock, Schraubenzieher, Kaminschlüssel, Fettbüchse - nur der Kastenschlüssel fehlt.

Auf 14 200 bis 18 050 Euro ist das Ensemble geschätzt.