Hundert Jahre Finsternis – der Titel führt in die Irre, denn Michael Bitala beschreibt immer wieder Lichtgestalten, Helden des Alltags, die noch an die Zukunft Afrikas glauben und selbst schlimmsten Notlagen mit Erfindungsgeist, Zivilcourage und einem unverwüstlichen Humor trotzen. Der Korrespondent der Süddeutschen schildert jenseits der üblichen Kitsch- oder Katastrophensicht die unerträglichen Gegensätze dieses Erdteils, den Reichtum und das Elend, die Schönheit und den Schrecken, die Brutalität und die Heiterkeit. Er bewundert den Lebensmut der Menschen und begegnet ihnen mit Empathie. Seine Schlaglichter sind eine kleine, aber feine Einführung in den ganz normalen Irrsinn Afrikas, kurzweilig, unprätentiös, mitunter ironisch, geschrieben in einer bildhaften und schnörkellosen Sprache. Zu fürchten ist nur, dass die reißerische "Finsternis" einige Afrika-Freunde abschreckt.

Auch Stefan Ehlerts Buch hält nicht, was die Verpackung verspricht. Wangari Maathai – Mutter der Bäume steht drauf, und es wird eine Biografie angekündigt. Aber vom Leben der Friedensnobelpreisträgerin aus Kenia werden hauptsächlich dürre Fakten referiert, ihre flamboyante Person bleibt blass und leblos, weil der Autor immer wieder allzu weit abschweift. Da geht es drunter unter drüber, von Mandela zum Weltklima, von Aids zum Völkermord in Ruanda. Auch die Sprache ist stellenweise ungelenk. Das ist der Tribut, den so genannte Schnellschüsse fordern: Ehlert musste dieses Buch in sechs Wochen recherchieren und schreiben. Trotz aller Kritik: Dies ist die einzige Abhandlung über die "schwarze Grüne" aus Afrika, über eine furchtlose Frau, die für die Umwelt und gegen ein korruptes Regime kämpft. Und wenn der Autor seine Landeskenntnis aufblitzen lässt, lernt man nebenbei ein Menge über Kenia. Bartholomäus Grill