Die Großen machen das immer so: Wenn sie der Welt ein neues Auto schmackhaft machen wollen, fliegen sie 1000 Motorjournalisten auf eine tropische Sonneninsel, bringen die Leute in einem 28-Sterne-Hotel unter, füllen sie mit 17-Gänge-Menüs und 500 Jahre altem Whisky ab. Später dürfen die Journalisten den Wagen zwei Wochen oder Monate oder Jahre lang probefahren. So geht das.

Der Kleine heißt Peter. Peter ist 27, und sein Papa war mal Datsun-Händler in Erp. Datsun hieß eine hierzulande mäßig beliebte japanische Automarke. Erp ist ein niederländisches Kaff in Nordbrabant. Peter hat immer schon rumgedealt, Grauimporte, solche Sachen. Vor zwei Jahren ist er nach China gefahren und hat sich Autos angeguckt. Die Jiangling-Autos fand er gut: "Besser als erwartet. Der Preis war noch besser." Jetzt ist er seit ein paar Monaten der allererste Chinaautodealer in Europa und Generalimporteur für den Geländewagen Jiangling (Landwind). Und erfolgreich. Ein Autokäufer will Vertrauen haben, sich mit seiner Marke identifizieren können, sich am Design erfreuen, an der Technik, am Fortschritt. Das Auto muss sauber, sparsam und sicher sein. Alles Quatsch. Ein Autokäufer will heutzutage nur eins: billig. 17700 Euro für einen fetten Geländewagen machen ihn scharf. So viel kostet schon ein popeliger Golf. Der olle Opel Frontera, der bis 2003 produziert wurde und dem der Landwind wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, war fast doppelt so teuer. Die Leute rennen Peter die Bude ein. Soeben ist in Antwerpen ein Schiff angekommen. 200 neue Landwinde drauf. Die Hälfte ist weg, alle anderen hat er angeblich auch schon verkauft. Am Telefon hatte er gesagt: Ihr könnt den Landwind fahren, aber maximal eine Stunde lang, ich habe keine Zeit, gleich flieg ich schon wieder nach China, Autos stehen hier schon gar nicht rum, alle sind verkauft, stattdessen sind jede Menge Leute von NDR, MDR, 3sat, Spiegel Online, Volkskrant und dpa da, aber kommt ruhig her. Da ist man als Motorjournalist ja schon mal bedient.

Wenn man von Deutschland nach Erp fährt, erkennt man, wie groß die Niederlande in Wirklichkeit sind. Kurz vor Erp ruft Ron an. Ron sagt, wenn man ihn fragt, was er so in der Firma ist: "Nummer 2." Ron fragt: "Könnt ihr noch 100 Kilometer weiter fahren?" Mannmannmann. Na ja.

Brasschaat in Belgien. Kleinstadt bei Antwerpen, beige Ziegelhäuschen, viel Blattgrün, schlösschenartige Villen. Irgendwann ein elektrisches Tor, eine dunkle Allee, paar schwere Limousinen, eine Art Herrenhaus. Gleich kommen dicke Glatzen mit Sonnenbrille und MG raus. Doch nur Nummer 2 kommt. Peter? Ja wo steckt er? Sitzt draußen mit den Eltern seiner Freundin in der Sonne und plaudert.

Wohnzimmer statt Büro. Kamin, Riesenglotze. Endlich die Nummer 1. Peter Blijvelds. Lang, dünn, jung. Schwiegermutters Liebling. Der Geht-nicht-gibt’s-nicht-Typ. Ich kann alles, und was ich nicht kann, wird outgesourct. Seine Firma (20 Leute) heißt Landwind Motor Corp. Ltd, eine englische Konstruktion, weil die Chinesen AG und GmbH nicht mögen. Die Chinesen dachten, das hat sowieso keinen Zweck, den Landwind in Europa anzubieten. Viel zu dreckig. Peter hat ein bisschen am Abgas rumschrauben lassen (outgesourct) – und zack: Euro 3 Abgasnorm erfüllt. Ab 2006 gilt die strenge Euro 4 Norm, aber wo die Großen tausend Motorentwickler schwitzen lassen, lässt Peter wieder nur rumschrauben – und zack: Euro 4 (klappt noch nicht ganz). Glaubt man so was? Kann man fast nicht glauben.

Die monströsen Plastikwölbungen untenrum lassen das Auto bullig wirken. Knorrige Blattfedern. Blattfedern! Motor von Mitsubishi, bewährt, brummt wie ein Nutzfahrzeug. Innen hauptsächlich viel hautfarbenes Hartplastik. Die Basisversion hat nur zwei angetriebene Räder, was sich nicht sehr nach Gelände anhört, aber billig ist. Übrigens bisher kein Händlernetz, keine Ersatzteile. Unbillig dagegen: Klima, CD, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, elektrische Spiegel, Parkhilfe, Alufelgen, alles in der Basisversion drin. Und Lederausstattung! "Billig, kostet in China 200 Euro, hab ich gleich noch draufgelegt."