Rolls-Royce hat eine der schönsten Autofabriken überhaupt - und eines der größten Absatzprobleme. Derzeit läuft die Montage bei der BMW-Tochter im südenglischen Goodwood nur von Montag bis Donnerstag. Der Absatz lahmt, und wer weiß, ob das Ziel überhaupt noch erreichbar ist, in diesem Jahr 1000 Autos an die Millionärskundschaft zu bringen.

Nur ein Modell hat BMW für seine Marke bisher entwickelt: den viertürigen Phantom, ein High-Tech-Gefährt aus Aluminium für 375 000 Euro oder - je nach Kundenwunsch - auch viel, viel mehr. Nächstes Jahr will man die Langversion nachreichen, im Jahr darauf den Phantom in ein riesiges Cabrio verwandeln.

Auch ein Coupé, wohl etwas günstiger als die Staatskarosse, von denen jede zweite in den USA verkauft wird, lässt sich daraus noch machen. Doch die Bayern und ihre britischen Statthalter wollen mehr als nur ein Auto in verschiedenen Varianten. Wir werden das Supersegment nach und nach besetzen und das Geschäft kontinuierlich weiterentwickeln, sagt Rolls-Royce-Chef Ian Robertson.

Tatsächlich könnte das Supersegment, das sich Rolls-Royce vor allem mit der VW-Tochter Bentley und der auch nicht absatzstarken Daimler-Marke Maybach teilt, um eine Art Massenmarkt erweitert werden, mit dem teure Fabrikhallen auszulasten wären. Gemeint sind etwas kleinere und weniger edle Autos für um die 200 000 Euro. BMW-Entwicklungschef Burkhard Göschel hat jetzt bestätigt, dass BMW an einem solchen Baby-Rolls arbeitet.

Die Entscheidung, ob die neue Baureihe wirklich entsteht, ist den Bayern zufolge noch nicht gefallen, aber bis zum Ende des Jahrzehnts könnte das Auto wohl am Markt sein, und der Druck steigt mit jedem Monat schlechter Verkaufszahlen. Der ehemalige Produktionspartner und jetzige Rivale Bentley hat mit seinem kleineren Coupé namens Continental GT die Absatzzahlen vervielfacht.

Allzu eilig mag der BMW-Vorstand um den markenbewussten Chef Helmut Panke nicht reagieren. Im Continental erinnert vieles an den Oberklasse-VW, sodass sie ihn in München verächtlich den Phaeton Coupé nennen. Und doch: Bei allem Amusement über die Wolfsburger Konkurrenz - ein wenig Neid auf die Absatzzahlen der anderen schwingt eben auch mit.