Jürgen Todenhöfers Forderung nach totaler nuklearer Abrüstung war ein Höhepunkt der letzten Ausgabe. Kenntnisreich, mit Verve vorgetragen, stilistisch elegant. Außerdem ist sie vollkommen utopisch - hoffentlich.

Er sieht selbst voraus, dass seine Argumente zu der Kritik einladen, sie seien naiv und unpolitisch. Das sind sie allerdings. Aber nicht so sehr, wie Todenhöfer meint, weil Atomwaffen als Abschreckungsmittel gegen konventionelle Kriegsmethoden eine Daseinsberechtigung haben. Die ließe sich vielleicht - VIELLEICHT - tatsächlich in ein paar Generationen aus der Welt verhandeln.

Das wahre, unüberwindliche Dilemma liegt tiefer. Selbst wenn eines fernen Tages alle existierenden Sprengköpfe vernichtet wären - das Wissen, wie man neue herstellt, bliebe erhalten. Und das lässt sich nicht so einfach verschrotten.

Nein, das Damoklesschwert - Todenhöfers treffsichere Metapher für die nukleare Kriegstechnik - wird uns erhalten bleiben. Und wenn wir es ohnehin über unseren Köpfen balancieren müssen, schläft es sich allemal besser in dem Wissen, dass einige der großen Demokratien dieser Erde (die USA, Frankreich, Großbritannien und, ja, auch Israel) über ein einsatzfähiges Atomarsenal zur Abschreckung verfügen.

HENDRIK PUSCHMANN, CAMBRIDGE, GROSSBRITANNIEN