Die Hochzeit! Der schönste Moment im Leben! Immer wieder hat das Kino diesen Tag der ewigen Treue genüsslich zerdeppert. Als kleine böse Studie einer geplatzten Eheschließung kommt der chilenische Film Sábado - Das Hochzeitstape daher. Ausgerechnet am großen Tag erfährt Blanca, dass ihr Zukünftiger nicht nur untreu ist, sondern seine Geliebte bereits geschwängert hat. Gemeinsam mit einem Freund, der das Drama mit einer Videokamera festhalten soll, zieht sie aus, um den Bräutigam zur Rede zu stellen. Sie fährt ziellos durch die Gegend, betrinkt sich mit Freunden, telefoniert mit ihrer Mutter, schimpft auf die Männer. Eine gute Stunde lang - gewissermaßen in Echtzeit - heftet sich der Regisseur Matas Bize an die Wut seiner Hauptfigur, folgt einem privaten Amoklauf, der schnurstracks zum Kern der chilenischen Macho-Gesellschaft führt. Ganz nebenbei erzählt Sábado von Männern, die nach Belieben fremd gehen und die Ehefrau zu Hause wie eine Heilige verehren. Von einem Bräutigam, der seine Zukünftige seit Jahren betrügt und die schwangere Geliebte wie eine Aussätzige behandelt. Von Vätern, die von der Betrogenen erwarteten, dass sie sich ins Schicksal fügt, da die Hochzeitsvorbereitungen teuer genug waren. Sábado ist das Road-Movie einer Entäuschten, vorangetrieben von ihrem Zorn und den Rockmelodien des Auto-Recorders. Ein Film im Laufschritt, eine kurze, lebendige, wunderbar gespielte Momentaufnahme, die ihren anarchischen Geist bewahrt, weil sie - Himmel sei Dank - im spanischen Original mit Untertiteln ins Kino kommt.