Manhattan, Niagara, Key West: Amerikas Attraktionen ziehen die Deutschen seit Jahrzehnten in ihren Bann. Keinen anderen Kontinent haben die Bundesbürger seit den Anfängen des Ferntourismus so massenhaft erkundet. Doch die alte Liebe zur Neuen Welt und zur Karibik hat Rost angesetzt. Noch im Jahr 2000 reisten über drei Millionen Deutsche in die USA, nach Kanada, Mexiko, Kuba und in die Dominikanische Republik. Dann brachten der 11.

September und der anfangs schwache Euro den Run auf Amerika schlagartig zum Erliegen. 2003 checkten nur noch zwei Millionen Urlauber zum Transatlantikflug ein. Innerhalb von nur drei Jahren büßten die USA und Kanada ein Drittel ihrer deutschen Gäste ein, in der Dominikanischen Republik stürzten die Zahlen sogar um 50 Prozent ab.

Vor diesem Hintergrund klingt es wie Schönfärberei, wenn die Tourismusbranche die neuerdings wieder anziehende Nachfrage als Boom verkauft. Es gibt kein Fernreiseziel mit höheren Zuwachsraten als die USA. Die Affinität der Deutschen zu Nordamerika bleibt stark, sagt Tilo Krause-Dünow, Chef des Spezialveranstalters Canusa. Immerhin schont der starke Euro die Reisekasse, wie die Fernreise-Direktorin bei Neckermann, Stefanie Berk, sagt: Reisen in die USA ist momentan so günstig wie seit 1994 nicht.

Voraussichtlich werden in diesem Jahr 1,4 Millionen Urlauber in die Vereinigten Staaten reisen, ein Plus von knapp zehn Prozent gegenüber 2004, aber doch über eine halbe Million weniger als in den neunziger Jahren. Die USA werden ihre Fans behalten, sind aber noch weit vom Massenziel früherer Jahre entfernt, urteilt das Fachblatt FVW. Deutsche Reiseveranstalter klagen seit Jahren darüber, dass die Amerikaner in Deutschland nicht die Werbetrommel rühren. Es ist ein Riesendilemma, dass es bei uns kein offizielles US-Tourismusbüro gibt, sagt Stefanie Berk von Neckermann.

Die neue Amerikascheu der Deutschen hat offenbar aber auch politische Gründe.

Potenzielle Kunden erklären uns, dass sie erst wieder in die USA reisen wollen, wenn die Ära Bush zu Ende ist, sagt Ralf Hieke vom North America Travelhouse in Hamburg. Die rigoros verschärften Einreisekontrollen ließen außerdem bei vielen Menschen das Gefühl aufkommen, in den Vereinigten Staaten nicht willkommen zu sein.

Kanadas Grenzer behandeln ihre Neuankömmlinge zwar zuvorkommender, doch die Anziehungskraft des Landes schwand in den letzten Jahren genauso stark wie beim großen Nachbar im Süden. Der Rekord von 454 000 deutschen Gästen wurde 1996 aufgestellt, jetzt wären schon 330 000 ein erfreulicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Denn anders als die US-Währung zeigt der kanadische Dollar schon seit längerem eine erstaunliche Härte und macht den Urlaub nicht eben preiswert. Wir setzen auf eine neue Werbekampagne, die wegführt von Kanadas Stereotypen wie Wildnis und einsamer Hütte, sagt Karl-Heinz Limberg, Deutschland-Chef der Canadian Tourism Commission. Künftige Gäste sollen auch vom Charme der Menschen und der Städte angelockt werden.