Innerhalb von zehn Jahren wollen Sie das ganze deutsche Bildungssystem auf den Gedanken der nachhaltigen Entwicklung hin ausrichten. Wie soll das gehen?

Es gibt bereits viele Initiativen zur Nachhaltigkeit in Deutschland, die aber meist nur punktuell wirken. In einer Schule in Niedersachsen zum Beispiel haben Schüler eine nachhaltige Firma gegründet. Sie reparieren Fahrräder, verkaufen oder vermieten sie im Rahmen des sanften Tourismus. Solche Einzelprojekte wollen wir weiterentwickeln und in die Breite tragen. Die wachsende Eigenverantwortung der Schulen birgt dafür viel Potenzial.

Allerdings müssen wir den Nachhaltigkeitsgedanken zuerst einmal bei den Lehrern mental durchsetzen.

Wie sieht es an den Hochschulen aus?

Weniger gut. Hochschulen sind hierarchisch gegliedert, die Fakultäten stark voneinander abgegrenzt. Es gibt eine Tendenz hin zu Spezialisierung und Konkurrenz, nachhaltige Entwicklung lebt aber von Kooperationen und Interdisziplinarität. In einer so genannten sustainable university ist die Nachhaltigkeit nicht nur beim Einkauf für die Mensa oder beim Umgang mit den Energieressourcen umgesetzt, sondern zum Beispiel auch in Form von ökologischem Management toxischer Stoffe in chemischen Laboren. Der Gedanke der Nachhaltigkeit findet sich in sämtlichen Studiengängen wieder, wobei der zentrale Aspekt die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist. Klimaveränderungen etwa lassen sich nicht mehr von einer Fachwissenschaft allein analysieren.

Geografen, Biologen, Rechtswissenschaftler, Ökonomen, Anthropologen und Pädagogen müssen stärker zusammenarbeiten.

Dann steht es also schlecht um die nachhaltige Bildung in Deutschland?