Im Frühherbst soll der Abzug der 7000 israelischen Siedler vollzogen sein. Und dann? Es wird von den Palästinensern abhängen, ob sie erneut eine Chance verspielen oder sich einen Staat verpassen, der die Zukunft erobert. Die Anreize könnten verlockender nicht sein. Zum ersten Mal seit 500Jahren hätten sie ein Stück Land für sich allein, lebten sie nicht mehr unter der Knute von Türken, Briten, Ägyptern und Israelis. Die Welt – vorweg die USA und EU – steht bereit, mehr Geld pro Quadratmeter nach Gaza zu pumpen als in jedes andere Land auf Erden. Aber sind die Gazaner auch fähig, den Preis dafür zu entrichten: das Ende von Terror, Bruderzwist und Korruption?

Sie sollten es tun. Wird Gaza zur Terrorfestung, zur Abschussrampe von Raketen, werden die Israelis wieder einmarschieren – unter besseren strategischen Bedingungen, weil sie ihre Siedler nicht mehr schützen müssten. Aber drehen wir lieber an der "Spirale des Guten". Die Palästinenser bauen einen Protostaat, der Investoren anzieht und die 50-Prozent-Arbeitslosigkeit drückt. Betriebswirtschaft ersetzt den Bombenbau, ein halbwegs freier Markt das Günstlings- und Monopolgeflecht. Die Israelis beschleunigen den Personen- und Güterverkehr zwischen Gaza und dem Westjordanland, lockern die Belagerungsringe um die Städte, helfen aus schierem Eigennutz. Die Palästinenser erkennen, dass Friedfertigkeit sich auszahlt.

Die Palästinenser mögen den Abzug als "Niederlage" des Feindes feiern, aber die Klügeren werden den historischen Wendepunkt erkannt haben: Trennung statt Herrschaft. Denn die Israelis wissen, dass Haifa durch die Besetzung von Hebron nicht sicherer wird. Deshalb signalisiert der lange Zaun auch hier die Trennung, mithin die Bereitschaft zur Beendigung der Herrschaft. Bloß müssten die klugen Israelis den Palästinensern noch etwas anderes signalisieren: dass der Zaun dort, wo er steht, nicht der Landnahme dient, sondern nur so lange gilt, wie er der Abwehr des Terrorismus dient.

Und wie machen die Palästinenser aus dem halben Laib einen ganzen? Ein Camp David, den Versuch einer finalen Lösung, wird es so schnell nicht geben, war doch das Konklave von 2000 bloß Vorläufer des Grauens, weil Arafat der Gewalt den Vorzug gab. Verlass ist nur auf die "Spirale des Guten" – auf einen Prozess, der mit Trennung beginnt, aber nicht in der Tragödie endet. Die Entscheidung liegt in den Händen der Palästinenser. Wenn in Netanja keine Bomben mehr explodieren, wird die Mehrheit der Israelis gern auf Nablus verzichten, Schritt um Schritt.