Lange Zeit regierte an deutschen Universitäten das Gesetz der Ewigkeit. Nicht nur Hochschulen erwarben mit ihrer Gründung quasi das Privileg der Unsterblichkeit. Auch ihre Fakultäten und Institute wähnten sich in einem so perfekten Zustand, dass sich jeder Gedanke von Veränderung oder gar Schließung zugunsten anderer Disziplinen von vornherein verbot. Und bis heute halten es viele Professoren für ihre vornehmste Aufgabe, vor ihrer Emeritierung sicherzustellen, dass ihr Nachfolger genau das gleiche Forschungsfeld beackert.

Doch nun bröckelt die akademische Bestandsgarantie. Ein Beispiel, wie einschneidend die aktuellen Reformen die deutsche Hochschullandschaft verändern werden, sind die Pläne in allen Bundesländern, Fächer zu streichen, Institute zusammenzuführen, Forschungsfelder über die Universitätsgrenzen hinweg zu verschmelzen.

Nun haben die bayerischen Hochschulen ihre Kooperationspläne vorgelegt. Gleich in drei Disziplinen – Naturwissenschaften, Mathematik und Wirtschaft – wollen zum Beispiel die Münchner Erzrivalen, die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität München, ihre Forschungen abstimmen, die Seminare den Studenten der anderen Hochschule öffnen und Doktoranden gemeinsam ausbilden.

Der Zwang zur Zusammenarbeit überwindet sogar Landesgrenzen, wie die Vereinbarungen zwischen den Hochschulen in Hamburg und Kiel, Kassel und Göttingen belegen. Und selbst ganze Hochschulen verlieren ihren Status: So schlossen sich die Universitäten in Essen und Duisburg zusammen, die Universität Lüneburg fusionierte mit der Fachhochschule in derselben Stadt.

Noch gehen viele Hochschulallianzen über Absichtserklärungen kaum hinaus. Aber wenn die Universitäten von Frankfurt und Darmstadt verkünden, sie wollen ihre Berufungskommissionen wechselseitig öffnen, dann ist allein dies revolutionär. Bislang wehren sich die vielen Fakultäten schon dagegen, dass der eigene Hochschulpräsident bei der Auswahl neuer Kollegen mitmischt.

Das Virus der Fusionitis haben sich die Universitäten nicht selbst eingeimpft. Man kann auch kaum erwarten, dass Professoren hurra rufen, wenn ihr Fach beispielsweise an die Nachbarhochschule verlegt wird. Der Druck zur Kooperation kommt meist aus der Politik. Auf welche Widerstände sie trifft, zeigt Hessen, wo der Versuch scheiterte, die Judaistik von Frankfurt nach Marburg zu verlegen und in ein Zentrum für Orientforschung zu integrieren. Selbst den Vorwurf des Antisemitismus – "Wohin mit den Juden?" – scheuten die Kritiker nicht.