Ali Laridschani ist das, was man gemeinhin einen iranischen Hardliner nennt. Zu den Vorzügen solcher Männer gehört, dass sie eine klare Sprache sprechen. "Lächerlich" seien die Vorschläge der EU an Iran, einfach "lächerlich". Als Laridschani das sagte, war er gerade zum neuen Chefunterhändler im Atomstreit zwischen dem Westen und der Islamischen Republik Iran ernannt worden. Das ist ein Posten, der im Prinzip viel diplomatisches Geschick erfordert, doch Laridschani wählte die öffentliche Schelte. Damit liegt er ganz auf der Linie der neuen Regierung des Präsidenten Machmud Achmadineschad. Ihr fehlt es nicht an aggressiv vorgetragenem Selbstbewusstsein.

Woher nimmt Irans Regierung bloß diese Selbstsicherheit?

Immerhin ist das Land internatonal isoliert, möglicherweise droht ihm ein Krieg, die Wirtschaft ist in einem schlechten Zustand. Sie ist kaum in der Lage, die Ansprüche der überwiegend jungen Bevölkerung zufrieden zu stellen. 1999 umschrieb der damalige Staatschef Mohammed Chatami dieses Problem mit schlichten Zahlen: "Wir müssen jedes Jahr zwischen 760000 bis 800000 Arbeitsplätze schaffen." Das klang schon damals nach einer unmöglichen Aufgabe – und die Lage heute ist nicht besser.

Trotzdem verhält sich die neue Regierung wie ein Halbstarker auf dem Schulhof, der sich im Gefühl aufplustert, seine Klassenkameraden mit links verprügeln zu können. Doch die Kraftmeierei ist nicht ohne Grundlage. Iran mag zwar von allen Seiten bedroht sein, aber schwach ist die Republik nicht – und sie ist nicht untätig.

Wenn heute von der Regierung die Rede ist, dann muss man in erster Linie von den "Sepah-e Pasdaran" reden, den Revolutionswächtern. Der neue Präsident Achmadineschad kommt aus ihren Reihen. Von den 21 Kabinettsmitgliedern, die er bestellte, sind 13 ehemalige Kommandanten der Revolutionswächter. Sie alle haben engste Kontakte mit dem konservativen iranischen Klerus und mit dem obersten Führer Irans, Ali Chamenei. Die Pasdaran sind heute in Iran ein entscheidender Machtfaktor. Ihr Selbstverständnis prägt die iranische Außenpolitik mehr als je zuvor.

Die Pasdaran waren ursprünglich aufgestellt worden, um die Revolution und ihre Führer zu beschützen. Der Krieg mit dem Irak (1980 bis 1988) hatte zur Folge, dass die Pasdaran zu einer regelrechten zweiten Armee heranwuchsen. 1980 hatten sie noch 10000 Männer unter Waffen, 1981 waren es bereits 50000, und gegen Ende des Krieges mit dem Irak standen vorübergehend 450000 Männer in ihren Reihen. Die Pasdaran sind seit 1985 wie eine Armee in Land-, See- und Luftstreitkräfte unterteilt. Sie verfügen über ein Ministerium mit eigenem Budget, in das nicht einmal das Parlament Einblick hat. Es gibt Grenzübergänge, die nur sie kontrollieren dürfen. Die Pasdaran sind aufs engste verbunden mit den religiösen Stiftungen, den Herren der iranischen Wirtschaft. Sie haben dadurch auch privilegierten Zugang zur iranischen Geldmaschine schlechthin, dem Ölgeschäft, das bei derzeit 67 Dollar pro Barrel Rekordsummen abwirft.

Die Revolution schützen hieß in den ersten Jahren nach 1979, sie zu exportieren. Der Revolutionsführer Chomeini wollte Regierungen der Nachbarländer stürzen, weil sie gottlos waren. Er hegte Großmachtträume, genauso wie sein Vorgänger, der Schah. Die Islamische Republik Iran sollte Hegemon am Golf sein.