Die Steppe erzittert. Mehr als hunderttausend bogenschießende mongolische Krieger jagen heran und überrennen alles. Herden von Ziegen und Schafen folgen als lebender Proviant. Ein gewaltiges Unternehmen. Es ist das Jahr 1211, als Dschingis Khan in Nordchina einfällt. Bis heute gelten der mächtigste Mann seiner Zeit (1155 bis 1227) und seine Nachfolger als grausame Eroberer. 1206 hatte der mandeläugige Monarch sein Großreich geschaffen.

Bereits vor den 800-Jahr-Feiern zeigt Bonn jetzt die opulente Schau Dschingis Khan und seine Erben - Das Weltreich der Mongolen. Sie erzählt nicht allein die Eroberungsgeschichte, sondern richtet die Aufmerksamkeit darauf, dass der rabiate Dschingis Khan auch ein Kulturbesessener war. Er legte hohen Wert auf religiöse Toleranz, unterstützte Handelsbeziehungen, förderte die verschiedenen Kulturen seines Reiches. Natürlich sind unter den 500 Exponaten jede Menge Waffen und Rüstungen, aber auch Skulpturen (wie die buddhistische Tarafigur auf unserem Bild), Textilien, Schmuckstücke Bildserien aus dem täglichen und höfischen Leben werden gezeigt. Seit fünf Jahren sind deutsche Archäologen in Dschingis Khans längst versunkener Hauptstadt Karakorum (westlich von Ulan Bator) auf Schatzsuche. Die Fundstücke sind erstmals in dieser Ausstellung zu sehen. In der heutigen Mongolei wird der Staatsgründer als wiederentdeckter Nationalheld verehrt. Sein Konterfei ziert Banknoten und Briefmarken ebenso wie Bier- und Wodkaflaschen.

Bis 25. 9., Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Geöffnet Di/Mi 10-21, Do-So 10-19 Uhr. Eintritt: 7,50 Euro, Katalog: 28 Euro. Auskunft: Tel. 0228/ 917 10, www.bundeskunsthalle.de. Vom 26. 10. bis 29. 1. 2006 im Münchner Museum für Völkerkunde