Köln

Für Gotteslohn zu arbeiten ist langfristig möglicherweise eine gute Investition. Im Diesseits aber muss Markus Buchal von der Kölner Schreinerei Buchal & Krings Holz, Lieferanten, Angestellte und Gewerbesteuer bezahlen.

Aus diesem Grund wird der Markt für Papst-Devotionalien am Wochenende um ein neues Spekulationsobjekt reicher werden.

Es geht um einen Stuhl. Dass dieser sich beim katholischen Weltjugendtreffen in Köln weit über seine irdischen Mitstühle erheben wird, ist nicht zuletzt den Bemühungen des Heiligen Stuhls in Rom zu danken. Bei der Begehung der Synagoge vor dem Papstbesuch stellten Benedikts Emissäre fest, dass für den Rabbiner und den Heiligen Vater nur Sitzgelegenheiten unterschiedlicher Höhe zur Verfügung standen. Keinesfalls konnte man den Inhaber des Thrones Petri auf der niedrigeren platzieren. Andererseits sollte sich der Vertreter der älteren von beiden Weltreligionen nicht zurückgesetzt fühlen.

Dies Dilemma zog einen Anruf bei der Möbelschreinerei Buchal & Krings nach sich. Markus Buchal nahm den Hörer ab - und sah sich vor eine überraschende Frage gestellt. Kennen Sie den Papst?, wollte ein Vertreter des Synagogenvorstands wissen. Beträchtlich problematischer erschien dem Katholiken Buchal das zweite Anliegen des Anrufers: Wir haben aber eigentlich kein Geld.

Doch Buchal und die Synagoge fanden eine Lösung. Ist nicht zuverlässig bezeugt - man denke an den Papst-Golf! -, dass weltliche Güter sich durch den Kontakt mit Seiner Heiligkeit Allerwertesten in begehrte Kultgegenstände verwandeln? Dieses Umstands eingedenk begnügt sich Schreiner Buchal mit einem Zertifikat seines Auftraggebers, das ihm die Echtheit des Papststuhles bescheinigt. Nach Gebrauch will er den Stuhl versteigern. 30 Prozent vom Erlös bekommt die Synagoge. Der Rest, hofft Schreiner Buchal, werde ihn für seine Mühe angemessen entschädigen.