Zwei Hauptursachen sind Auslöser der Rentenkatastrophe, die trotz hoher Arbeitslosigkeit so nicht eingetreten wäre, wenn nicht Regierungen, um bei Helmut Schmidt zu bleiben, unvernünftigerweise verantwortungslose Entscheidungen getroffen hätten. Verantwortungslos deswegen, weil es ihnen um Wählerstimmen und Machterhalt ging.

Die erste Fehlentscheidung ist Konrad Adenauer anzulasten, der 1957 das Rentensystem von der Kapitaldeckung (persönliches Rentenkonto) auf die umlagefinanzierte, dynamisierte Rente (Generationenvertrag) umstellte. Er unterstellte leichtfertig stetiges Wirtschaftswachstum, anhaltende Vollbeschäftigung und ein gleichbleibendes Verhältnis von sozialversicherungspflichtig Tätigen einerseits und Rentenempfängern andererseits.

Die zweite Fehlentscheidung hat Helmut Kohl zu verantworten. Nicht nur, dass er 1990 die Ostdeutschen sorglos ins Alterssystem aufnahm und es damit (unrettbar) belastete, wie Uwe Jean Heuser ausführt. Obwohl es einen Chor mahnender Stimmen gab, diese Lasten über Steuern zu finanzieren, wurden sogar Ruhegeldempfänger, die nach westdeutschen Kriterien Beamtenstatus gehabt hätten, in das Rentensystem übernommen.

Zum Kindermangel: Solange wir mit der Massenarbeitslosigkeit leben müssen, nützt eine höhere Geburtenrate gar nichts. Sie würde nur zu mehr Jugendarbeitslosigkeit führen, ebenso wie eine verlängerte Lebensarbeitszeit.

Letzteres hat auch Helmut Schmidt ausgeführt. Kinder sind auch nicht automatisch mit Beitragszahlern gleichzusetzen. Wenn es denn kurzfristig Bedarf an Arbeitskräften geben sollte, können diese aus der EU rekrutiert und der gegenwärtige tägliche Verlust von über 1000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen gestoppt werden.

Es bleibt im Übrigen zu hoffen, dass sich die ZEIT auch mit dem Thema der demnächst unbezahlbaren Beamtenpensionen befassen wird.

HANS-JÜRGEN BORCHELT, BERLIN