Es sind immer wieder dramatische Bilder: wenn ein Tsunami Inseln im Pazifik überrollt, wenn in der Hurrikan-Saison ein Wirbelsturm Holzhäuser an der Küste Floridas gleich reihenweise zerlegt, wenn ein Supermarkt im japanische Kobe unter den Erschütterungen der Erde zusammenbricht, wenn Überschwemmungen Tausende Menschen aus ihren Häusern vertreiben und ihr Hab und Gut davonspülen. Die Fernsehkameras sind live dabei – und die Moderatoren hilflos, wenn der Planet Schicksal spielt. Ist der Mensch schuld? Der Klimawandel? Gar ein strafender Gott?

Nur das eine lässt sich sicher sagen: Die Zahl der registrierten Naturkatastrophen steigt. Wetterabhängige Ereignisse wie Stürme und Überflutungen nehmen zu. Weltweit entstand zwischen 1980 und 2004 bei 14216 Katastrophen ein ökonomischer Schaden von insgesamt 1,825 Billionen, ausgeschrieben: 1825000000000 US-Dollar. 374 Milliarden US-Dollar davon trugen die Versicherungsunternehmen. Allein für die klimabedingten Desaster in den ärmeren Ländern zahlen sie dreimal so viel wie die Staaten der internationalen Gemeinschaft bei ihren Hilfsaktionen. Doch der katastrophale Zuwachs ist nicht nur auf die Erderwärmung zurückzuführen, sondern in hohem Maße darauf, dass die Zahl der Menschen in den betroffenen Gebieten zunimmt und mit ihr die Zahl der potenziellen Opfer, die den Begriff Katastrophe definiert.

Zu oft gerät in Vergessenheit, dass Metropolen wie Los Angeles und San Francisco, Tokyo und Istanbul auf sehr wackeligem Fundament errichtet sind. Angesichts schöner Strände zieht es Menschen aus dem sicheren Landesinneren immer wieder an die Küsten. Vielen fehlt jenes Wissen, das ihr Großvater noch hatte: wo in den Bergen in harten Wintern Lawinen heruntergehen und man tunlichst nicht bauen sollte. Wo bei außergewöhnlichen Wasserständen die Marschen voll laufen – und mit ihnen die Keller.

Es sind jedoch nicht die Großereignisse, die die Versicherungen zunehmend unter Druck setzen: In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science weist Evan Mills vom Lawrence Berkeley National Laboratory auf die medial bedingte Schieflage unserer Wahrnehmung hin. Großereignisse, die es in die Fernsehnachrichten schaffen, machen nur 40 Prozent der Kosten aus. Viel teurer sind kleine Verwüstungen wie Blitzschläge, Erdrutsche oder Winterstürme. In den USA verursachen allein die Stromausfälle jedes Jahr Schäden in Höhe von etwa 80 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Ein Starkbeben in Los Angeles würde nach Expertenschätzung Schäden in Höhe von 200 Milliarden Dollar hinterlassen.

Angesichts der steigenden Kosten der Katastrophen sieht Evan Mills für die globale Versicherungswirtschaft als "der Welt größter Industrie" zwei Optionen: Sie könne sich aus teurer werdenden Geschäftsbereichen zurückziehen und die Risiken auf den Staat abwälzen. Oder aber sie beteilige sich an der Ursachenforschung und der Prävention. "Im Erwachen der Katastrophe treffen sich Wirtschaft und Wissenschaft", das ist Mills’ Traum angesichts der Albträume.