In der Flut von Groß- und Kleingeschriebenem, die seit der überraschenden Wahl eines deutschen Papstes sein Heimatland, ja die ganze Welt fast überschwemmt, verdienen drei Bücher besondere Beachtung. Nicht weil sie Unglaubliches enthüllen, sondern weil die Autoren, erfahrene Publizisten, auf verschiedene Weise objektiv und kritisch die Persönlichkeit des neuen Pontifex und seine Bedeutung für die römische Kirche glaubwürdig durchleuchten.

Besonders gilt dies für eine durch langjährige persönliche Kontakte mit Kardinal Ratzinger vorbereitete Lehr- und Lebensbeschreibung: Heinz Joachim Fischer: Benedikt XVI. – Ein Porträt (Herder Verlag, Freiburg 2005; 191 S., 12,90 €). Der langjährige Korrespondent der FAZ in Rom, der dort auch Theologie studierte, zeigt einfühlsam, wie aus dem jungen, schon weißhaarigen Theologieprofessor Ratzinger der strenge, doch allmählich weise werdende Glaubenswächter im Vatikan wurde. Durch das "Sündenregister" seiner Amtsführung, das ihm auch innerkirchliche Kritiker zuschrieben, sei er, der "nie ein Machtpolitiker war", sondern sich als "Mitarbeiter der Wahrheit" verstand, "zum Sündenbock" gemacht worden. Dass er als Papst dem entgehen könnte – etwa durch mehr Schweigen in der Morallehre –, hält der Autor für möglich. Heinz Joachim Fischer schreibt: "Das Petrusamt ist längst nicht mehr die furchterregende Unfehlbarkeitszentrale."

Doch ebendiesen Fortschritt relativiert ein anderes Buch: Hubert Feichtlbauer: Neuer Papst – Hoffnung für wen? (Edition Steinbauer, Wien 2005; 208 S., 19,50 €). Der Autor, ehemaliger Vorsitzender einer österreichischen "Plattform: Wir sind Kirche", warnt vor einem "voreiligen Optimismus", auch weil Benedikt XVI., anders als 1978 der polnische Papst, "vor einer völlig anderen Welt" stehe, einer westlichen mit "zuviel Ichsucht" und einer südlichen mit Armut, Kriegen und Aids. Zwar sei der deutsche Pontifex "im Dogmatischen freier, als man glaubt, aber dennoch unbeweglicher, als viele hoffen mögen". Gleichwohl werde er "aller Voraussicht nach doch mehr in Bewegung setzen, als viele vermuten, wenn sie nur auf seine Vergangenheit schauen".

Und Blicke in die Zukunft, scharf fragende, richtet dieses aus den Erfahrungen eines gründlichen Rom-Reporters entstandene Buch: Hanspeter Oschwald: Der deutsche Papst. Wohin führt Benedikt XVI. die Kirche? (Piper Verlag, München 2005; 264 S., 14,30 €). Es sei zu bezweifeln, dass der "fast erstickende Reformstau" in der katholischen Kirche nun aufgelöst werden könne, meint der Autor. Er porträtiert den Theologieprofessor und "spröden Glaubenswächter" Ratzinger vor allem aus deutscher Sicht.

Dass jedoch die Liste der Reformprobleme – von der Abtreibung bis zum Zölibat – oder gar ein Geldmangel in der Vatikankasse bei den Gläubigen einer weltweiten Kirche nur relatives Echo erregt, wird spürbar. Und weil diese Kirche immer schon "auf scheinbar geradem Weg" in großen Kurven zu "völlig neuen Positionen fand", schließt Oschwald nicht aus, dass dies auch dem deutschen Papst gelingen könnte.

Hansjakob Stehle