Hamburg

Ronald Schill ist längst vergessen, sein Erbe aber überdauerte auch einen Regierungswechsel. Längst sieht man überall in Hamburg Polizisten in den blauen Uniformen, die der Hardcore-Senator ihnen spendiert hatte. Seine zweite Errungenschaft, das geschlossene Heim für Jugendliche, beschäftigt derzeit einen Untersuchungsausschuss. Nicht nur die Insassen missachten Gesetze - die Aufseher tun es womöglich auch.

Mal berichten Jugendliche von Fesselungen und Schlägen. Mal findet sich kurz vor Landtagswahlen im Protokoll einer Dienstbesprechung der Hinweis: Für die nächsten sechs Wochen, also bis zu den Wahlen, steht der Sicherheitsaspekt bei Ausgängen im Vordergrund. Mal räumt das Heim die Verabreichung von Psychopharmaka an Insassen ein - und muss sich nun des Vorwurfs erwehren, dies ohne Einverständnis der Eltern getan zu haben. Schon spricht die Opposition von Körperverletzung im Amt.

So hatte sich Hamburgs konservative Landesregierung ihre neue Sicherheitspolitik sicher nicht vorgestellt. Vier Jahre ist der große Kriminalitätswahlkampf jetzt her, der die rot-grüne Ära in Hamburg beendete und Ronald Schill ins Amt des stellvertretenden Bürgermeisters beförderte.

Zweihundert Jugendliche in Hamburg gehörten weggesperrt, tönte Schill damals - ungefähr so hoch schätzen Experten den Platzbedarf in geschlossenen Jugendheimen für ganz Deutschland. Aber Schill hatte die Springer-Presse auf seiner Seite, die in Hamburg den Ton angibt. Heime für Kinder-Gangster frohlockte die Bild-Zeitung - und dass Rot-Grün mit dem nicht weniger ideologischen Slogan Menschen statt Mauern konterte, das war nur Wasser auf ihre Mühlen.

Bekanntlich siegte Schill. Seit Januar 2003 hat Hamburg sein Jugendgefängnis, das politisch korrekt als geschlossenes Heim für jugendliche Intensivtäter bezeichnet wird und Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) untersteht.

Von Anfang an ging vieles schief. Kaum waren die ersten Jugendlichen in das neue Heim in der Hamburger Feuerbergstraße eingewiesen, ergriff schon einer von ihnen die Flucht. Ein anderer attackierte einen Betreuer und verletzte ihn. Mitarbeiter kündigten, weitere Jugendliche flohen, der Leiter des verantwortlichen Landesbetriebs Erziehung und Berufsbildung trat zurück.