Sein bürgerlicher Name hätte es voll und ganz getan in einem normalen Leben, hätte genügt für eine Laufbahn als Finanzbeamter, wie seine Mutter sie für ihn erhofft hatte. Doch alles kam anders. Denn plötzlich tauchte einer auf, der begriff, dass mit diesem Talent und diesem Aussehen viel Geld zu machen war, sehr viel Geld. Und der griff zu. Stellte ihn ins Rampenlicht, verpasste ihm einen neuen Namen, und es begann, was anfangs wie ein Märchen erschien, eine kometenhafte Karriere unter falschem Namen. Oder, um es positiv zu formulieren, unter einem Künstlerpseudonym.

Vermutlich war er zu diesem Zeitpunkt zu jung, um zu begreifen, dass er viel mehr als nur den Namen eingetauscht hatte. Gerade war er ja noch der unbekannte junge Mann aus biederen Verhältnissen in einer kleinen Stadt gewesen – nun lag ihm die Welt zu Füßen, zumindest ihr weiblicher Anteil. Ihn muss das überrollt haben, die Begeisterung, die er auslöste, die Fans, die ihn mit Rosen in den Händen verfolgten. Und ein paar Jahre lang hat er das sicher genossen, den Luxus, die Autos, die Reisen. Ob er je darüber nachgedacht hat, dass er einen Preis zu zahlen hatte, der zu hoch sein könnte? Falls es so war, dann betäubte er solche Zweifel vermutlich schnell, mit jener griffbereiten Droge aus den Hotelbars. Und dann machte er weiter, bediente die Maschinerie, die er zu bedienen hatte, lächelnd und perfekt.

Bis schließlich doch begann, was auf einen solchen Aufstieg häufig folgt: der allmähliche Abstieg. Und sein Kampf dagegen, den er am Ende verlieren sollte. Was war passiert? Vielleicht hatten sich einfach nur die Zeiten geändert. Denn ohne den zeitgeschichtlichen Kontext, in dem er aufgewachsen war, hätte es seine Karriere ohnehin nie gegeben. Er selber war ja ein Kind dieser Zeit, in der alle möglichen jungen Rebellen aufgebrochen waren, die Eltern ein wenig zu verschrecken. Doch ausgerechnet er verkörperte den Gegenpart. Das war die Rolle, die er zu spielen hatte – und dass er selber lieber den bad guy gegeben hätte, interessierte keinen. Sein neuer Name war sein Image. Träume gegen Geld, Illusionen gegen Ruhm. Business as usual.

Er muss, älter geworden, durchaus versucht haben, dagegen anzugehen, aber solche Versuche erstickten wohl im Keim. Immerhin trugen ihn in dieser Zeit ein finanzielles Polster und ein glückliches Privatleben, Frau, Kind, ein paar gute Kumpel. Sie halfen ihm, die Demütigung zu verkraften, vor fast leeren Reihen auftreten zu müssen. Aber da war zugleich auch die Droge, an der er sich festhielt, und eines Tages verweigerte sein Körper zum ersten Mal den Dienst.

Hat er zu diesem Zeitpunkt selber begriffen, dass aus dem Star von einst eine traurige, wenn nicht tragische Figur geworden war? Wie im klassischen griechischen Drama lief sein Leben auf die Katastrophe zu. Die Familie zerbrach, die Droge blieb sein Begleiter. Zwar hielten ihm ein paar Freunde und Fans die Treue, aber das war zu wenig. Er sei "das Sexsymbol für die Zeit nach den Wechseljahren", kommentierte er einmal zynisch in einem Interview, was für eine Rolle für ihn, dem die schönsten Mädels zwanzig Jahre zuvor den Ärmel von der Jacke gerissen hatten.

Und dann schaffte er es plötzlich doch noch mal. Stand auf der Bühne vor vollen Sälen, eroberte nebenbei ein zweites Medium, war plötzlich wieder in den Schlagzeilen, kein gefallener Engel mehr, sondern ein Mann, der das Comeback geschafft hatte. Nicht ganz so glanzvoll wie früher, mit ein paar Schrammen am Lack, aber doch eine Basis, auf der er hätte weitermachen können. Nur dann versagte in einer Oktobernacht sein erschöpftes Herz.