Irgendwann geht alles zu Ende, auch die WDR-Fernsehschachpartie. Es begann 1983 mit dem Kampf zwischen dem damaligen Weltmeister Anatoli Karpow und Robert Hübner. Im Laufe der Jahre fand sich alles im Kölner Studio ein, was in der Schachwelt Rang und Namen hat: angefangen bei den Weltmeistern Karpow, Kasparow, Kramnik, Anand und Kasimdschanow über Vizeweltmeister Peter Leko und seine ungarischen Landsfrauen, die Polgar-Schwestern Judit und Zsuzsa, die besten Frauen der Welt, bis zur deutschen Elite. Sogar das Schachprogramm "Fritz" forderte hier Kasparow heraus, wobei jener an diesem Abend im Duell "Mensch–Maschine" die "Ehre der Menschheit verteidigte" (Kasparow).

Im Laufe der Jahre wurden viele Bauernopfer gebracht, Springer gefesselt, Damen geschlagen und Schneisen zum gegnerischen König gefräst, geriet bei den scheinbar so ruhig dasitzenden "stillen Brütern" die innere Homöostase nicht nur in Zeitnot in Aufruhr.

Die Spieler saßen sich immer in einer schalldichten Glaskabine gegenüber, während unter der Moderation des WDR-Kulturredakteurs und Initiators Claus Spahn Vlastimil Hort und ich selbst die Züge der Live-Partie den Fernsehzuschauern zu erläutern versuchten. Seit etlichen Jahren schaute uns dabei auch "Fritz" auf die Finger, gerade in taktischen Scharmützeln fast immer die letzte Instanz. Es konnte schon einmal vorkommen, dass beim Hervorheben des Feldes h6 mit dem Flashboard jenes klemmte und partout nicht aufhören wollte zu blinken, sodass sich der Live-Kommentar der vermaledeiten Technik anpassen musste, bis das eingeklemmte Feld ein Einsehen hatte, oder dass Karpow, nachdem man lang und breit erklärt hatte, warum er auf keinen Fall das "Luftloch" h7–h6 machen werde, just dieses tat und die Kommentatoren wie begossene Pudel dasitzen ließ. Doch weitestgehend war es wohl eine gelungene Sendung.

Nun, beim allerletzten Mal, spielen Vlastimil und ich gegeneinander, wobei als Kommentatoren neben Claus und "Fritz" der Deutsche Meister und Europameister im Schnellschach Artur Jussupow mit seiner Tochter Ekaterina dabei sind. Zu Ehren von Claus Spahn, der mit dieser Sendung Ade sagt, sind die Figuren in Form eines "S" angeordnet – "S" wie Spahn oder Schach. Wie setzt Weiß in 2 Zügen matt?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 33: