Der Apostroph bezeichnet eine Auslassung, und beim Genitiv wird nichts ausgelassen, deshalb ist das Zeichen an dieser Stelle "falsch". Das war nicht immer so: Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Strich im Deutschen auch für den Genitiv benutzt, zunächst dichterisch bei Formen, wo der Poet tatsächlich etwas ausließ, um das Wort ins Versmaß zu zwängen ("Gott’s Verstand"), später dann auch bei Eigennamen und geografischen Bezeichnungen ("Berlin’s"). Die Akzeptanz hing immer davon ab, was die obersten Sprachwächter meinten: Adelung tolerierte in seinem Wörterbuch von 1811 den Genitiv-Apostroph, woraufhin der Gebrauch kräftig zunahm. Jacob Grimm war ein Apostroph-Gegner, und Konrad Duden schloss sich ihm an. Im ersten Duden hieß es 1880: "Bei Eigennamen ist es nicht erforderlich, das S des Genitivs durch einen Apostroph abzutrennen." Thomas Mann hat sich trotzdem nicht immer daran gehalten.

Der Genitiv-Apostroph ist also kein Anglizismus, auch wenn das Englische zu der neuerlichen Epidemie beigetragen haben mag. Nach der reformierten Rechtschreibung wird sein "gelegentlicher Gebrauch" wieder toleriert. Als falsch gelten dagegen weiterhin der Plural-Apostroph ("Top-Job’s", gefunden in der ZEIT) sowie diverse kreative Neuschöpfungen, die man auf "Apostroph-Hasser-Seiten" im Netz findet: "Weihnacht’s Baum", "Bauer’n Hof", "Bierstüb’le", "Nudel’n" und "nicht’s". Christoph Drösser

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