Diese Kolumne handelt von der Zukunft. Da wir nicht wissen, wie sich das Bundesverfassungsgericht entscheiden wird, hat die Kolumne zwei Teile. Der erste Teil handelt davon, dass die Wahl nicht stattfindet. Der zweite Teil handelt davon, dass die Wahl stattfindet.

Variante Eins: Stopp! Es begab sich aber an einem regnerischen Donnerstag des Sommers 2005, dass das Verfassungsgericht in Karlsruhe die Bundestagswahl verhinderte.

Was geschah dann? Zunächst entwickelte sich unbeschreibliches Chaos. Gerhard Schröder floh als Wahlkampfbeobachter nach Japan. Dem großen Münte wuchsen über Nacht die Koteletten nach. Joschka Fischer lenkte seinen Bus in einen Big Whopper. Peter Hartz stahl sich im Getümmel zu einem Gesichtschirurgen, benannte sich um in Peter Herz und begann in Brasilien ein neues Leben. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zog sich von allen Ämtern in die Innenverteidigung seines VfB Stuttgart zurück. Die TV-Demoskopen Jörg Schönenborn (ARD) und Steffen Seibert (ZDF) lieferten sich eine letzte grimmige Tortendiagrammschlacht.

Dann erstarb das Leben. Es begann die Herrschaft der lame duck, die Zeit der lahmen Ente. Morgenthau legte sich über die Wiesen. Deutschland beging ein Sabbath-Jahr. Es wurde zur geistigen Wüste und zerfiel in die Provinzen Aldi-Nord und Aldi-Süd, in Groß-Lidl und Mediamarkbrandenburg.

In einem Roman von José Saramago namens Das steinerne Floß wird geschildert, wie sich die Länder der Iberischen Halbinsel vom europäischen Kontinent lösen und aufs offene Meer schwimmen; aus Spanien und Portugal wird ein gewaltiges führungsloses Schiff, eingesponnen in Wahnwelten, beherrscht von ignoranten Eliten.

Der Weg ins offene Meer war Deutschland jedoch verbaut, es war eingekesselt von den unzufriedenen und weniger intelligenten Volksgruppen dieser Welt, vor allem von denen im Osten, im Westen, im Süden und im Norden. Also fädelte es sich auf urdeutsche Weise aus der Staatengemeinschaft aus. Es legte sich lahm. Es ging nach innen. Es implodierte.