Wenn du nicht mehr weiterweißt, flüchte furchtlos ins Klischee. Das war wohl die Devise des Dokumentarfilmers Konstantin Faigle, Schwabe und junger Vater.

Angeblich hatte er genug von den deutschen Zuständen und wollte nicht, dass sein Kind in ein kollektiv depressiv verstimmtes Land hineingeboren wird.

Also hat er auf einer Reise quer durch die Republik nach den Ursachen des teutonischen Jammers geforscht, in Weimar, auf Schloss Neuschwanstein, im Kyffhäuser, bei Bild, seinen Eltern, Alice Schwarzer, dem Jesus von Bebra und vielen anderen. Herausgefunden hat er in seinem kalauernden, manchmal wirklich komischen Ethno-Road-Movie Die große Depression das Naheliegende: Zu wenig Humor und zu viel Romantik machen das deutsche Leben schwer, wir sind technikbesessen, aber fantasielos, dazu träge, unfreundlich, pessimistisch.

Nicht immer hebt Faigles bodenständige Selbstironie die Platitüden aus dem Tal der Tränen, aber die Barbarossa-Musical-Einlage im Stile Bollywoods und das Panoptikum, mit dem er die vielen Seelen, ach, in seiner Brust bebildert, sind fast so was wie deutscher Monty Python. Lösungen für die deutsche Krankheit bietet der fleißige Schwabe Faigle auch: Sie schwanken, ähnlich filigran wie die Symptomanalyse, zwischen dem Arsch hoch! des Demonstrantenbeschimpfers und dem Ratschlag des glücklichen Benediktinermönchs, man müsse Wunden zu Perlen verwandeln. Oder man harmonisiert seine Aura mit einem Easybeamer. Das hilft freilich nur in einem Umkreis von zwei Metern.