Dresden/Grafenwöhr

Zu den wenig beachteten Aspekten des modernen deutschen Naziwesens gehört seine Bedeutung für die Freizeitbranche. Vor allem einer Sportart mit einem ganz besonders sauberen Image erwächst aus der Verbindung mit der NPD ein ungeahntes Potenzial: dem Tennis. Der weiße Sport und die braune Politik - zusammen können sie Hunderttausende von Euro wert sein.

Der Entdecker dieser gewinnträchtigen Kombination heißt Wolfgang Jürgens.

Vordem war er einmal PR-Berater des bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, heute macht er in Immobilien, wobei ihm seine politische Erfahrung sicher nicht schadet.

Vor neun Jahren erwarb Jürgens ein Grundstück in Dresden-Pappritz, einem Vorort der sächsischen Landeshauptstadt, dessen prominentester Bewohner Georg Milbradt es inzwischen zum Ministerpräsidenten gebracht hat. Die Zukunft des Grundstücks schien bis ins Detail vorherbestimmt. Ein Bebauungsplan sah eine Tennishalle nebst Verwaltungsgebäude vor, mit Ziegelhart- oder Schieferdeckung in rotbrauner Farbe.

Für Jürgens aber war die Tennishalle nur der Anfang. Ihm schwebt ein gewaltiges Freizeitparadies vor, mit Fünf-Sterne-Hotel, Schwimmbad, Fitness-Studio, Golfplatz, Reitanlage und eigener Konditorei. Zweihundert Arbeitsplätze versprach er der Stadt Dresden als Gegenleistung für eine kleine Änderung des Bebauungsplans.

Dresden aber sagte nein. Denn Jürgens' Grundstück grenzt an ein Landschaftsschutzgebiet. Dort, entschied das Regierungspräsidium, sei eine Anlage des geplanten Ausmaßes untragbar. An diesem Punkt kommen die Nazis ins Spiel.