Unter den Zuschriften, die kübelweise unsere Redaktion erreichen, häufen sich Beschwerden, diese Kolumne sei herzlos geworden. "Wo bleiben Wärme und Einfühlung? Warum trampeln Sie so erbarmungslos auf rot-grünen Politikern herum?", will eine treue Leserin aus 63755 Wasserlos von uns wissen. "Wäre Frau Merkel seinerzeit im Amt gewesen, so stünden deutsche Soldaten heute im Irak." Unsere Leserin aus Bayern hat Recht; wir bedauern unser Versehen und entschuldigen uns bei den deutschen Soldaten. Bald ist ja Iran militärisch an der Reihe, und Frau Merkel darf Amerika zeigen, was Deutschland kann. Viel Glück, Angie! Bis es so weit ist, versprechen wir unseren Lesern mehr Einfühlung, auch Wärme. Finis Plus, ab sofort 30 Prozent mehr Herz. Beginnen wir nun mit der Einfühlung. Hat Edmund Stoiber (CSU) nicht die Wahrheit über den deutschen Osten gesagt, diese aber bloß ungeschickt ausgedrückt? Herr Stoiber ist ein Mensch wie du und ich. Er kann erst wissen, was er denkt, wenn er hört, was er sagt. Vielleicht hat er sagen wollen, dass menschliche Wesen so verschieden sind wie die Landschaften, in denen sie leben. Die einen leben in der Wüste, die anderen in Bayern. Wenn Menschen von Natur aus verschieden sind, so darf eine Bundestagswahl sie nicht über einen Kamm scheren. Das wäre undemokratisch und wider Gottes freie Natur. Naturgemäß gestaltet sich deshalb eine Wählerstimme aus Mecklenburg-Vorpommern anders als eine Stimme aus dem malerischen Deggendorf, dem "Tor zum Bayerischen Wald". In Bayern gibt es Alpen, Täler und Wälder. Anmut und Klugheit wohnen unter den Menschen. In solch eine Landschaft wurde uns der deutsche Papst Benedikt XVI. geboren. In ostdeutschen Bundesländern treffen wir auf märkischen Sand, Strauchgewächs und Plattenbauten. Hier kamen Gregor Gysi und Petra Pau zur Welt. Dafür können sie nichts, aber auch ein Kommunist wird einsehen: Gott ist mit den Bayern, der Osten wird erst beim Jüngsten Gericht erlöst. Was lernen wir daraus? Wählerstimmen, die auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause sind, müssen bei der Bundestagswahl das Gewicht bekommen, das ihnen von Geburt aus zusteht. Damit wir uns nicht missverstehen: Jeder deutsche Bürger hat weiterhin eine Stimme, aber die Stimmen aus Bayern zählen doppelt. So will es die Geschichte. So will es die Natur. Gott würfelt nicht. Ist das herzlos? Finis