Kein Zweifel, die deutschen Kirchen haben die Bedeutung des World Wide Web erkannt. Zumindest auf ihren großen Seiten. Onlinebeichte, Chats, SMS-Downloads: Kaum eine Netzspielerei, kaum ein Tool, das auf den nationalen Seiten von Katholiken und Evangelischen fehlte.

Auch die Kirche kommt am Internet nicht vorbei. Doch wohin wendet sich der Jugendliche, der mit ihr in Kontakt treten möchte und dafür das Netz zum Herantasten benutzt? Normalerweise müsste er nur die Worte "Jugend" und "Kirche" in seinen Browser eingeben oder die "Jugend"-Buttons auf den Startseiten der Kirchen klicken. Doch tut er das, findet er sich in einem Gestrüpp lokaler Angebote wieder. Und was da zu lesen ist, mutet oft grotesk an: Der "Gottesdienst für Jungverrückte" oder eine "Einladung zum Babytreff" werden wohl keinen Zulauf auslösen.

Wo finden die Debatten statt, wie sie Jugendliche in anderen Regionen des Webs führen? Das Ablassangebot Benedikts, sein Konservatismus, der Dialog mit anderen Religionen? Kein Thema. Selbst dort, wo Foren vorhanden sind, werden eher glaubenspraktische Fragen diskutiert und Grüße ausgetauscht

Für Markus Eisele, Herausgeber des Internetguide Religion , ist Selbstverwaltung das Stichwort. Viele Internetauftritte seien bisher noch nicht den Erwartungen Jugendlicher angepasst, die gerne am Netz mitstricken würden.

Timo Rieg, verantwortlich für die Seite Jugendgottesdienst.com , glaubt allerdings nicht daran, dass Jugendliche diese speziellen Netzinhalte mitgestalten wollen. "Kirchenarbeit findet offline statt, die meisten kirchlichen Netzwerke entstehen im realen Leben." Rieg schreibt sich seit Jahren den Kampf gegen die Vergreisung der Kirchen auf die Fahnen. Doch wenn es um die Möglichkeiten des Webs geht, winkt er ab: "Jugendliche, die in der Gemeinde aktiv sind, sitzen nicht viel am Computer." 90 Prozent der Jugendgottesdienste seien im Netz nicht vertreten, selbst Spezialistendiskussionen in dafür gesondert eingerichteten Foren seien "im Prinzip tot". Ist die Kirche netzaffin? "Ja, wenn die Pastoren sich ihre Predigten zusammengoogeln."

Das ist natürlich übertrieben. Die Kirchen versuchen, Anschluss zu halten. Doch die Konzepte für junge Webseiten sind bislang unausgegoren. Bisher erinnern viele dieser Seiten an miefige Klassenzimmer . Schade, denn eine jugendliche, interaktive Kirche ist besser als eine, die Anregungen aus dem Netz nicht aufnehmen kann.