Jedes Land sucht sie: die Schule, die hohe Leistungen mit Chancengleichheit verbindet. Lange glaubten die Deutschen, sie hätten die pädagogische Zauberformel gefunden. Internationale Schulvergleiche haben diese Illusion zertrümmert. Im Schnitt erwies sich die deutsche Schule nur als mäßig leistungsfähig und höchst ungerecht. Trägt das gegliederte Schulsystem die Schuld daran, dass hiesige Schüler ihr geistiges Potenzial nicht ausschöpfen? Oder haben unsere Bildungsprobleme nichts mit der Schulstruktur zu tun?

Tatsache ist: In keiner vergleichbaren Nation gliedert sich das Schulwesen derart rigide wie hierzulande, fallen die Entscheidungen über künftige Lebenschancen in so jungen Jahren. Und je früher die Auslese, je hierarchischer das Schulsystem, desto stärker die Gefahr, dass sich die soziale Herkunft eines Schülers auf seine Leistungen niederschlägt.

Ist eine Schullaufbahn einmal eingeschlagen, wird sie nämlich nur selten korrigiert, und wenn doch, dann meist nach unten. Das liegt auch am System, denn ein Hauptschullehrer hat wenig Interesse, seine besten Schüler an die Realschule abzugeben, weil er damit seine Leistungsträger verliert. Und warum sollte sich ein Gymnasiallehrer um die Schwächeren bemühen, wenn er sie als "falsch sortierte" Schüler nach unten abgeben kann? Das gegliederte Schulsystem lade gerade dazu ein, Schüler abzuschieben, anstatt sie zu fördern, argumentiert der Pisa-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher.

Die Abwärtsspirale hat fatale Folgen: Fast jeder vierte 15-Jährige kann keinen Text mit Verstand lesen und nur auf Grundschulniveau rechnen. Damit verbaut die Schule vielen Jugendlichen nicht nur den gelungenen Start ins Leben, sondern verschwendet auch Fähigkeiten. Das gegliederte Schulsystem, kritisieren seine Gegner, produziert sowohl zu viele Bildungsverlierer als auch zu wenige Abiturienten.

Andere Länder machen es besser. Sämtliche Pisa-Sieger trennen ihre Schüler sehr viel später. In Finnland, Japan oder Kanada müssen die Lehrer sich deshalb stärker jedem einzelnen widmen. Sogar in den Niederlanden, das ebenso ein gegliedertes Schulwesen kennt, gehen die meisten Schüler acht Jahre lang gemeinsam in eine Klasse.

Doch der internationale Vergleich hat Grenzen. So gibt es eine Reihe von Ländern mit integrierten Schulsystemen – USA oder Italien –, die keine guten Leistungen erbringen. Dies zeigt, dass der Lernerfolg keineswegs nur vom Schulsystem abhängt. Die frühe Förderung bereits im Kindergarten, die Qualität des Unterrichts oder die Ausbildung der Pädagogen sind ebenso wichtig. Hier hat sich in deutschen Schulen auf vielen Feldern einiges zum Besseren gewendet.