Nach sieben Regierungsjahren und nach Verabschiedung der Hartz-Gesetze sieht die SPD nur noch wenig Handlungsbedarf in puncto Arbeitsmarkt. Am Kündigungsschutz und an der Tarifautonomie soll laut Wahlmanifest nicht gerüttelt werden; auch Arbeitszeitverlängerungen erteilt die SPD eine Absage. Nach der Devise, dass "gute Arbeit gerecht entlohnt" gehöre, verspricht die SPD darüber hinaus einen gesetzlichen Mindestlohn, falls es nicht gelingt, bundeseinheitliche tarifliche Mindestlöhne zu verankern. Lohndumping wollen die Sozialdemokraten durch Ausweitung des Entsendegesetzes auf alle Branchen verhindern. Mehr Jobs durch Konjunkturprogramme stellt die SPD zwar nicht in Aussicht; es soll indes auch "keine zusätzlichen Sparrunden" geben.

Längere Arbeitszeit und weniger Regulierung sind laut Regierungsprogramm der CDU/CSU der Schlüssel zu mehr Jobs. Betriebliche Bündnisse für Arbeit will die Union erleichtern; Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen ohne Vetorecht der Gewerkschaften vereinbaren können, vom Tarifvertrag abzuweichen. Für Neueinstellungen will die Union den Kündigungsschutz in Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten aussetzen. Die Chancen der Empfänger von Arbeitslosengeld II sollen sich verbessern, indem Arbeitgebern erlaubt wird, sie zwei Jahre lang bis zu zehn Prozent unter Tarif zu entlohnen. Kombilöhne sollen sowohl neue Jobs für einfache Tätigkeiten schaffen als auch den Arbeitnehmern ein "angemessenes Auskommen" verschaffen. Gesetzliche Mindestlöhne lehnt die Union ab. Stattdessen sollen Lohn- und Sozialdumping durch "schnelle, wirksame und grenzüberschreitende Kontrollen " bekämpft werden.

Keine Partei hat den Gewerkschaften so sehr den Kampf angesagt wie die FDP . Sie will das "Tarifkartell" aufbrechen, ein Betriebsrat soll erst in Unternehmen mit 20 Beschäftigten (heute: fünf) möglich sein. Der Kündigungsschutz ist nach Auffassung der Liberalen "ein Einstellungshemmnis" . Er soll deshalb nur noch für Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten gelten und obendrein erst vier Jahre nach Beginn des Arbeitsverhältnisses einsetzen. Eine Art Kombi l ohn namens Bürgergeld soll Jobs im Niedriglohnsektor schaffen.

Die Grünen hoffen auf mehr Jobs durch kürzere Arbeitszeiten. Damit auch Niedrigverdiener von ihrem Einkommen leben können, machen sich die Grünen außerdem für "rechtlich verbindliche" Mindestlöhne stark. Eingriffe in die Tarifautonomie oder den Kündigungsschutz lehnen sie ab. Langzeitarbeitslose sollen ihre Transferleistungen, beispielsweise das Alg II, gegen einen Job in sozialen Wirtschaftsbetrieben tauschen können.