Von allen EU-Staaten haben die nordischen Mitgliedsländer am erfolgreichsten grundlegende sozialdemokratische Werte mit den modernen Zeiten verbunden. Dies war kein einfacher Übergang. Die hitzigen Debatten über die Agenda 2010 in Deutschland heute waren die hitzigen Diskussionen in Dänemark vor einem Jahrzehnt.

Als wir an die Macht kamen, lag die Arbeitslosenquote bei 13 Prozent. Das Wirtschaftswachstum war niedrig, die Verschuldung hoch. Am Ende meiner dritten Amtszeit 2001 lag die Arbeitslosigkeit bei unter 4 Prozent, es gab zwei Drittel weniger Langzeitarbeitslose, die Jugendarbeitslosigkeit war verschwunden. Und wir erreichten dies, obwohl die soziale Sicherung hoch und wohlfahrtsstaatliche Standards erhalten blieben – allerdings in einer modernisierten Form.

Unsere Vision war: Wettbewerbsfähigkeit und soziale Sicherheit widersprechen sich nicht, sondern bedingen sich gegenseitig. Ökonomische Effizienz kann mit gerechter Verteilung und einem starken Wohlfahrtsstaat verbunden werden. Das heißt: Die Individuen haben sowohl Rechte wie Pflichten – das Recht auf ein Mindestniveau an Sicherheit und die Pflicht, sich auf den Wandel einzustellen und in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Qualität und Entlohnung von Beschäftigung wurden nicht geopfert. Sozialdemokraten müssen Niedriglohnjobs und schlechte Arbeitsbedingungen ablehnen. Wir müssen Flexibilität fördern, denn die passt zu veränderten Wettbewerbsbedingungen und Lebensstilen.

Unser Rezept bestand aus vier Elementen:

Erstens: Mobilität muss mit Sicherheit gekoppelt werden. Durch meine Reformen wurde das hiring and firing einfacher, gleichzeitig wurde aber der Übergang von einem Job in den anderen erleichtert. Heute haben wir keine langen Kündigungsfristen. Aber wir haben nach wie vor ein hohes Arbeitslosengeld. Der Verlust eines Arbeitsplatzes führt also nicht zum Verlust des Lebensunterhalts. Dies behindert nicht die Mobilität – der dänische Arbeitsmarkt ist so durchlässig wie der amerikanische. Die Kombination von Flexibilität und Sicherheit verhindert Ungleichheit, reduziert die Arbeitslosigkeit und beseitigt Engpässe auf dem Arbeitsmarkt.

Zweitens: Arbeitslose müssen ermutigt werden, einen neuen Job zu suchen. Wir haben die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes von neun auf vier Jahre verringert. Und wir haben die Arbeitslosenbezüge für Jüngere unter 20 Jahren nach Ablauf der ersten sechs Monate der Arbeitslosigkeit fast halbiert. Gleichzeitig haben wir "individuelle Aktionspläne" eingeführt: Einzelgespräche mit dem Arbeitslosen, bei denen die persönlichen Qualifikationen, die Stellenangebote und die Notwendigkeiten der Fort- und Weiterbildung besprochen werden. Dies wurde zu einem Grundrecht der Arbeitslosen. Jedem von ihnen werden Fortbildung, Training und Stellen unterbreitet – Angebote, die man nicht ablehnen darf.

Interviews und Aktionspläne müssen inzwischen binnen dreier Monate stattfinden. Je schneller der Aktionsplan gemacht wird, umso schneller wird der Betroffene wieder beschäftigt. Parallel dazu haben wir die Sozialhilfe reformiert, um auch sie auf die Aktivierung zu fokussieren. Zusammengenommen sollte mit all diesen Reformen unser gesamtes System der sozialen Sicherheit für den Einzelnen zu einem Sprungbrett in neue Beschäftigungsmöglichkeiten umgeformt werden.

Drittens: Durch ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit wurde die Frauenerwerbsquote gesteigert. Mit 73 Prozent ist sie heute eine der höchsten in Europa. Unsere Politik verbesserte die Beschäftigungschancen von Frauen, indem wir mehr, billigere und bessere Kinderbetreuung anboten; Betreuungsplätze gibt es jetzt für alle nicht schulpflichtigen Kinder. Zusätzlich ist das Angebot eines sechzehnmonatigen Mutterschafts- oder Vaterschaftsurlaubs, gekoppelt mit hohen Einkommensersatzleistungen, zu einer unserer erfolgreichsten Maßnahmen geworden, um Eltern zurück zur Arbeit zu bringen.

Viertens: Wir investieren stark in lebenslanges Lernen. Heute bilden sich 85 Prozent aller Jugendlichen in Dänemark in irgendeiner Form weiter. Eine Politik für Bildung, Ausbildung und lebenslanges Lernen muss auf der lokalen und regionalen Ebene schnelle und effiziente Lösungen für Engpässe des Arbeitsmarktes finden.