Von wegen Abstieg Ost. Wer die neuen Bundesländer als ein einziges großes Jammertal sieht, der irrt gewaltig. Denn Ostdeutschland ist längst nicht mehr der einheitliche Wirtschaftsraum, der meist die Grundlage von Ost-West-Vergleichen bietet. Neben strukturschwachen Regionen haben sich Wachstumszentren herausgebildet, die den Vergleich mit dem Westen der Republik durchaus aufnehmen können. Jeder sechste Kreis in Ostdeutschland verfügt bereits über Strukturen und Perspektiven, die auch in Westdeutschland von vielen Kreisen nicht erreicht werden. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung, die Anja Jakszentis und Professor Ulrich Hilpert von der Universität Jena für die der IG-Metall nahe stehende Otto-Brenner-Stiftung angefertigt haben.

Die Autoren weisen darauf hin, dass globale Vergleiche der neuen mit den alten Bundesländern wenig sinnvoll seien. Zum pauschalen Ost-West-Gefälle habe sich inzwischen ein Nord-Süd-Gefälle herausgebildet. Viele Kreise in Ost- und Westdeutschland hätten ähnliche Probleme und Interessenlagen. Daraus ziehen die Jenaer Wissenschaftler auch den Schluss, dass die bisherige Förderpolitik für den Osten reformbedürftig sei, weil sie die Differenzierung zwischen den Regionen vernachlässige. Der große Wurf für die neuen Länder wird nicht gelingen und nicht mit einem Instrument zu erreichen sein - und manche Regionen bedürfen dieser Initiativen auch weniger als andere.