Neulich kamen der SPD-Vorsitzende und der DGB-Chef gemeinsam ins Kino, was sonst sicher nicht vorkommt, aber die Zeiten sind hart für Arbeiterführer. Im Berliner Delphi-Kino zeigte der Filmemacher Pepe Danquart (Höllentour) das von ihm produzierte Meisterwerk des österreichischen Dokumentarfilmers Michael Glawogger (Megacities), Workingman's Death, eine beklemmende Erzählung aus einer uns geografisch wie historisch fernen brutalen Arbeitswirklichkeit. Jahrelang haben die beiden Freunde an dem Projekt gearbeitet, nun, Anfang September, wird der preisverdächtige Film während der Filmfestspiele in Venedig präsentiert. Wann kommt er bei uns ins Kino? Ein Verleih für Deutschland wird noch gesucht. Der Kassenerfolg ist nicht garantiert und das Kapital feige.

Die Bilder hauen einen um, selbst standfeste Gestalten wie Franz Müntefering und Michael Sommer. Als im Delphi diskutiert werden soll, müssen sie erst mal Luft holen nach dem, was sie da alles gesehen haben, über die ukrainischen Bergarbeiter in illegalen Stollen, über den Schwefelabbau in Indonesien, den Schlachthof in Nigeria, die Tankschiff-Abwracker in Pakistan, die Stahlarbeiter in China (und das unbekümmerte jugendliche Treiben im Duisburger Industriemuseum). In ihrer Unbeholfenheit wirken sie ehrlich.

Eine Art Wahlkampfveranstaltung, gewiss. Aber keine Hilfe für Sozialdemokraten. Darum ging es dem Produzenten Danquart und dem Autor Glawogger nicht. Dieser eindrucksvolle Film hat keine aktuell verwertbare Botschaft. Er ist nicht einmal antikapitalistisch. Er zeigt Menschen, die sich schinden und die zugleich, hin und wieder, stolz sind auf das, was sie leisten. Er zeigt nicht die, die davon profitieren. Workingman's Death ist eine Art dramatisierter Rückblick auf die westliche Industriegeschichte, auf die Zeiten knochenbrechender Arbeit, lange vor dem Sozialstaat und jenem sozialen Fortschritt, der heute zur Debatte steht. Insofern, ja, ist er doch politisch.