Australien will in diesem Jahr 97.000 Fachkräfte aus aller Welt anwerben, 20000 mehr als im Vorjahr. Von September an will die Regierung in Canberra Anzeigen in europäischen Zeitungen schalten, danach wandert eine Jobmesse von London über Amsterdam und Berlin (am 6. und 7. Oktober) nach Chennai in Indien. Rund zwei Millionen Euro lässt sich das Land die Bewerbersuche kosten. Wir sprachen mit Pamela Fayle, der australischen Botschafterin in Deutschland

DIE ZEIT: Warum sucht Ihr Land so dringend nach ausländischen Arbeitskräften?

Pamela Fayle: In den letzten zehn Jahren ist unsere Wirtschaft schneller gewachsen als die vieler anderer Industrieländer. Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung, und da wir nur 20 Millionen Einwohner haben, kommt es jetzt teilweise zu Engpässen. Uns fehlen Fachkräfte.

ZEIT: Und wir Deutsche gehören dabei zur ersten Wahl?

Fayle: Nein. Wir haben keine "erste Wahl", und wir möchten auch niemanden diskriminieren. Dennoch konzentrieren wir uns zunächst mit Informationsveranstaltungen auf das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Deutschland und Indien, wo wir qualifizierte Fachkräfte vermuten. Wir haben in vielen Bereichen derzeit mehr Jobs als Arbeitssuchende. Uns mangelt es an Ärzten, Ingenieuren, Spediteuren, aber auch Klempnern und anderen Handwerkern.

ZEIT: Stimmt es, dass australische Arbeitsämter im Unterschied zu deutschen für gewöhnlich menschenleer sind?

Fayle: Nein, nicht ganz. Sogar in sehr erfolgreichen Volkswirtschaften gibt es Menschen, die nicht über die gesuchten Qualifikationen verfügen.