Die Honigbiene gilt als die sprichwörtlich Fleißigste unter den Tieren, ihr Arbeitstag ist angefüllt mit allerlei Tätigkeit. Emsig schwärmt sie von Blüte zu Blüte, sammelt Nektar, befruchtet Pollenstempel, reinigt den Bienenstock, hütet die Nachkommen und tanzt vor ihrer Königin. Tag für Tag durchkämmt sie riesige Gebiete auf der Suche nach Nahrung, immer geleitet von ihrem feinen Geruchssinn, durch den sie geringste Duftabweichungen unterscheiden kann. Geht es nach Wissenschaftlern der Universität Montana, soll das Insekt nun auch einen Job übernehmen, der bisher dem gemeinen Haushund überlassen war: das Aufspüren von Kampfmitteln. Die Biene lässt sich nämlich hervorragend auf verschiedene Gerüche konditionieren, solange man dies – Pawlow lässt grüßen – mit einer Nahrungsbelohnung verbindet. Auch hier erweist sich die Biene als Streberin, binnen zwei Tagen kann sie auf den Duft von Sprengstoff abgerichtet werden, Hunde brauchen ein halbes Jahr. Die Forscher hoffen, derart trainierte Bienenschwärme in naher Zukunft zur Minenräumung einsetzen zu können, indem sie die Tiere mit winzigen Peilsendern versehen und in die verminten Gebiete ausschwärmen lassen. Ein Lasersystem erfasst die genauen Flugrouten der Insekten und verzeichnet die Stellen, die sie besonders anziehend finden – potenzielle Standorte von Landminen. Erste Testflüge im Jahr 2003 stimmten die Wissenschaftler zuversichtlich, die Räumbienen fanden 90 Prozent aller ausgelegten Sprengkörper. Wenn sich die Methode noch verfeinern lässt, könnten die Kosten der Kampfmittelräumung drastisch gesenkt werden, denn die Biene ist im Gegensatz zu ihren Hundekollegen eine genügsame Arbeiterin. 10.000 Dollar kostet die Beseitigung einer Landmine bislang im Schnitt (während ihr Herstellungspreis etwa drei Dollar beträgt), ein großer Teil des Geldes geht dabei für Training und Haltung der Suchhunde drauf. Bienen sind weitaus billiger und können großflächiger eingesetzt werden. Da sie weltweit heimisch sind, müssen sie zudem nicht erst in die betroffenen Gebiete importiert werden. Die Biene ist also drauf und dran, dem Hund seinen Rang als bester Freund des Menschen abzulaufen, nur das mit dem Pfötchengeben klappt noch nicht so ganz. Andrea Benda