Die Abendsonne scheint wie ein Flutlicht auf das Kanzleramt. Auf der anderen Seite der Spree sitzen Touristen, Schiffe tuckern vorbei. Gerhard Schröder hat die Damen-Fußballnationalmannschaft zu einem Grillabend eingeladen, wurde sie doch kürzlich Europameister. Der Kanzler, wenige Stunden zuvor noch beim Papst in Köln, sagt, dass sich die Reihenfolge im Fußball geändert habe, wie in der Gesellschaft. Die Frauen kämen nun an erster Stelle. Wir Kerle müssen uns damit abfinden, dass wir nur noch Zweiter sind. Dann stellt er sich zu der Mannschaft, posiert vor Fotografen.

Journalisten dürfen nicht mitgrillen, hieß es vorher. Aber Schröder lädt ein: Kommt doch alle dazu, na los, und breitet die Arme aus. Mit vollem Mund könnt ihr nicht so viel Blödsinn schreiben. Viel Zeit für die Frauen hat Schröder nicht. Ein paar Worte hier, ein Schulterklopfen da und ein Weiter so!. Einige Spielerinnen haben Fotoapparate dabei, essen Würste, lichten Schröder ab. Bis bald, sagt dieser im Abgang, beschwingt von seiner eigenen Inszenierung. Fast hätte man es vergessen, dass er Frauenpolitik einst Gedöns nannte. Doch wer wird nicht milde, so wenige Wochen vor der Wahl, da eine Frau ihn abzuhängen droht.