Berlin ist für die Künstler und Galerien ein attraktives, aber schwieriges Pflaster. Das musste auch die vor zehn Jahren gegründete Messe Art Forum Berlin erleben. Das von Galerien für Galerien ins Leben gerufene Unternehmen hat turbulente Zeiten hinter sich, immer wieder drohte das Scheitern. Uneinige Gesellschafter, unbefriedigende Verkäufe, Abwanderung eines Teils der Berliner Galerien zur 2003 gleich mit einem Riesenerfolg gestarteten Frieze Art Fair in London ließen die Zukunft des Art Forums Berlin lange ungewiss erscheinen.

Diese Zitterpartie scheint nun endgültig vorbei zu sein, das nicht zuletzt dank der kompetenten Teamarbeit der künstlerischen Leiterin Sabrina van der Ley und der Projektmanagerin Kirsten Günther. Für die eine, von Hause aus Kunsthistorikerin, ist es die sechste Messe - die andere ist als studierte Ökonomin seit der ersten Stunde dabei und war zunächst zuständig für das Marketing. Seit dem vergangenen Jahr schreiben wir eine schwarze Null, da sind wir sehr stolz drauf, sagen beide unisono. Immerhin wird sie als die beste Berliner Messe überhaupt gepriesen. Und die Messegesellschaft, die in den ersten Jahren nur Ausrichterin der Veranstaltung war, hat inzwischen alle Rechte und Anteile gekauft und lässt der bewährten weiblichen Doppelspitze freie Hand.

128 Galerien und Editeure aus 23 Ländern mit einem betont zeitgenössischen Profil versammeln sich nun vom 29. September bis zum 3. Oktober zum runden Geburtstag in den historischen Tageslichthallen unter dem Funkturm. Der Umzug vor drei Jahren in diese eleganten Ausstellungsräume hat zur wachsenden Attraktivität beigetragen. Von Anfang an, sagt Kirsten Günther, haben wir besonderen Wert auf das Erscheinungsbild der Messe gelegt, auch wenn das im Gegensatz zu den mit anderen Messen vergleichbaren preiswerten Standmieten teuer kam.

Vor allem die Einbauten mit den 3,50 Meter hohen stabilen Wänden gehen ins Geld, tragen aber viel zum besonderen Flair der Messe bei. Nur so konnten wir Punkte für den Standort sammeln, haben sonst an allen Ecken und Enden gespart, möglichst wenig nach außen vergeben und sozusagen noch die Butterbrote selbst geschmiert, sagt Kirsten Günther.

Die zähen Kämpfe haben sich über die Jahre ausgezahlt: Das persönliche Engagement und das Eingehen auf die Aussteller haben das Art Forum auf die richtige Schiene gebracht. Die ebenfalls besser werdenden Verkäufe in den letzten beiden Jahren haben für 2005 zu so vielen interessanten Bewerbungen geführt, dass die alljährlich wechselnde internationale Jury in Gewissenskonflikte kam, welche Galerie man annehmen sollte.

Die Liste der Aussteller in diesem Jahr kann sich sehen lassen. Die Berliner Galerien, die sich nach London orientiert hatten - zum Verdruss mancher Künstler und Sammler -, sind wieder dabei. Eine dritte Halle wird erstmals für 17 Debütanten unter dem Oberbegriff Freestyle geöffnet. Artfinder aus Hamburg, Dvir Gallery aus Tel Aviv, MC aus Los Angeles, Perugi aus Padua, Jocelyn Wolff aus Paris und andere bilden zugleich das Entree für die von der Direktorin des Museums Abteiberg Mönchengladbach, Susanne Titz, kuratierte Sonderschau Temporary Import - DAAD, Bethanien et al. Die Ausstellung zeigt 40 Positionen ausländischer Künstler und Künstlerinnen, die in den vergangenen zehn Jahren per Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Berlin gekommen sind. Inszeniert wird die Schau von dem dänischen Künstler Simon Dybbroe Móller, die Umsetzung seiner Ideen ist auch eine Herausforderung an die Projektleitung.

Wie Regisseurin und Produzentin agieren Sabrina van der Ley und Kirsten Günther. Die Aufgaben sind verteilt, aber sie arbeiten Hand in Hand als einziges weibliche Duo in der Messelandschaft. Sie haben den Absprung der früheren Bankgesellschaft Berlin als Hauptsponsor verkraftet und es geschafft dem Art Forum ein unverwechselbares Profil mit Entdeckerqualitäten zu geben.