Da haben sich zwei gefunden, zwei starke Partner, verbunden durch die wunderbar romantische Eselsbrücke eines Genussmotivs, wenngleich natürlich das Geschäftliche schon im Vordergrund stand. Nennen wir es einen Deal, was Bob Dylan und die Kaffeehauskette Starbucks ausgehandelt haben: Er erhält einen Betrag in Millionenhöhe, sie darf dafür 18 Monate lang exklusiv Live at the Gaslight 1962 vertreiben, ein offizielles Bootleg aus Zeiten, als der Künstler noch ein mittelloser junger Mann war, der durch New Yorker Kaschemmen zog. Dass der Kaffee im Gaslight kein Frappuccino Double Latte gewesen sein wird - was soll's, solange Schwung in den Laden kommt. Montag ist Erstverkaufstag in den USA und Kanada, und bislang läuft alles nach Plan: Die Stammfamilie spricht in höchsten Erregungsgraden von der Mesaillance, der Beschuldigte überlässt das Reden wie immer denen, die's dazu drängt.

Bei Starbucks schätzt man sich nicht nur glücklich über den Mitnahmeeffekt, den Dylans Originalgenöle auf Endverbraucher sämtlicher Altersschichten ausüben möge, man kann als professioneller Kooperator auch entsprechend weit blicken. Coldplay, Alanis Morissette und der leider darüber verstorbene Ray Charles haben bereits Erfahrungen mit dem Vertriebsmodell Coffeeshop gemacht - nicht zu ihrem kommerziellen Schaden, vor allem aber: zum Pläsier der Kundschaft. Längst ist die Kaffeehauskultur ja keine Kultur des zweckfreien Süffelns und Verdebattierens von Zeit mehr, der Gast will unterhalten sein.

Und weil Starbucks den Unterhaltungsauftrag schon immer ernst genommen hat, steht heute in Santa Monica das erste Lokal, in dem man sich aus 200 000 Musiktiteln seine persönliche compilation brennen kann. Gegen Aufpreis, versteht sich.

Schon träumen die Verantwortlichen von einem dritten Ort im Leben des Konsumenten, einem Mittelding zwischen Laden, Café und Wohnzimmer, in dem Singles sich über koffeinhaltigen Milchmischgetränken näher kommen, während sie gleichzeitig unablässig medialen content saugen. Wenn jetzt noch der geschätzte Mr. Dylan auch in Zukunft den ein oder anderen Tonträger ... Hier allerdings könnte das Marketing irren. Denn ein Mann wie Dylan mag mit demselben vermuffelten Gesicht für Päpste und Gegenpäpste spielen, er mag seine Songs an Banken wie an Unterwäschefirmen verhökert haben, bis der Unterschied zwischen counterculture und counter culture zum Leerzeichen auf der Computertastatur schrumpfte - wenn Lebensabschnittsbegleiter ihn zu sehr unter Druck setzten, sang er stets ein It ain't me, Babe. Drücken wir es so aus: Die verlässlichste Größe in seinem OEuvre ist die Unzuverlässigkeit. Und Eigenschaften wie diese gelten in der großen weiten Welt der Markenpartnerschaften bislang als schwer vermittelbar.