Was aber suchen die Besucher? Nicht die Lehren der Kirche, wie eine Studie der Religionspädagogen Ziebertz und Scharnberg über deutsche Teilnehmer am letzten Weltjugendtag in Toronto herausfand: Der Weltjugendtag hat die Befragten nicht neugierig gemacht, mehr über das Christentum, die Kirche oder den Glauben zu erfahren. Am wenigsten fühlten sich die Jugendlichen angeregt, ihre Beichtpraxis zu ändern. Auch eine intensivere Auseinandersetzung mit päpstlichen Botschaften streben die Jugendlichen eher nicht an. Doch hinter dem harten Nein, das war in Köln zu beobachten, steht eine Bereitschaft zum Wandel durch Annäherung: Wir hören dir zu - tu du das auch.

Und, wandelt sich Benedikt? Der Papst wird nicht wie der Kardinal sein, das war das Versprechen seiner Verteidiger. In Benedikts Begegnungen mit Juden, Muslimen und Protestanten (in dieser Abstufung von Wichtigkeit) war guter Wille erkennbar, aber kaum Veränderung gegenüber dem Kurs des diplomatischen Duos WojtyIa & Ratzinger. Am ehesten noch hat sich der neue Papst als verführbar erwiesen durch die Zuneigung der Jugend. Sein Wohlbefinden, unschwer erkennbar auf den Nahaufnahmen, wuchs stetig während des Jubels der vier Tage, sein Unbehagen an den Benedetto-Rufen schwand. Der Eindruck mag täuschen, aber es scheint, der scheue Papst habe Geschmack an den Massen gefunden.

Weitere Informationen im Internet: www.zeit.de/weltjugendtag