Das tut der Alte nie!", rief Bild, als über eine erste Frau im Kabinett Adenauer spekuliert wurde, 1961, zwölf christdemokratische Jahre waren schon ins Land gezogen! Er tat es dann doch, erfand ein Gesundheitsressort und setzte Elisabeth Schwarzhaupt hinein, eine kluge emanzipierte Juristin, die das wenig reizte, denn sie wusste, dass sie "eine von meinen Kolleginnen schwer erkämpfte Alibifrau" war.

Die Dinge haben sich in der CDU ein wenig beschleunigt, seit Heiner Geißler der Partei vor 20 Jahren eine moderne Frauenpolitik verordnete (er registrierte "größte Unlust" an der Basis) und Rita Süssmuth über Jahre härteste Missionsarbeit geleistet hat, nervenstark und kampfesmutig. Heute dürfen wir in Unions-geführten Landesregierungen 17 Ministerinnen zählen, darunter gar solche für Finanzen (Thüringen), Justiz (Niedersachsen, NRW, Bayern), Inneres (Saarland) und Wirtschaft (NRW). Es gibt zwei stellvertretende Minister- und zwei Landtagspräsidentinnen. Und es gibt die frauenfreien Zonen Bremen und Schleswig-Holstein; obendrein ist die Zahl der konservativen Parlamentarierinnen geschrumpft.

Die Frauenfrage ist also nicht gelöst, von Normalität kann überhaupt keine Rede sein. Vier Gründe sind aus Gesprächen mit CDU-Frauen herauszuhören. Erstens: die strukturelle Schwäche. Frauen sind bei Wahlen immer noch listenabhängig, was Chancen und Einfluss schmälert. Zweitens: die strategische Schwäche. Wenn Frauen etwas werden, ist das häufig der politischen Gunst mächtiger Männer zuzuschreiben, viel zu selten aber systematischer Aufbauarbeit weiblicher Machtpositionen. Den Shooting-Star und Everybody’s Darling Ursula von der Leyen (sieben Kinder und immer lächeln!) hat der niedersächsische Landeschef Christian Wulff auf einer Wahlparty entdeckt: Keine schlechte Frau für mich. Drittens: Schwach wie die Frauen-Union sind mittlerweile auch ihre einst starken Verbündeten, die Junge Union und die Sozialausschüsse. Schließlich, viertens, die Individualisierung: Jede kämpft heute mehr für sich allein. So stößt man zwar in männliche Politikdomänen vor, zahlt aber mit Anpassung. Innerparteilicher Ärger und Gefechtslärm für die Sache der Frauen – das waren die neunziger Jahre.

Wahr ist aber auch: Positionen, für die Frauen früher in der CDU noch geprügelt wurden, sind beinahe Common Sense in der Partei geworden – das konservative Milieu, die Klientel in der Provinz und in Hausfrauenehen kommt da nicht ganz mit: Krippen und Ganztagsbetreuung, Ganztagsschulen, Ganztagsjobs, Ganztagsväter; ferner die späte Entdeckung Skandinaviens und Frankreichs als frauen- und familienpolitisches Vorbild. Davon ist noch viel Rhetorik und wenig praktische Politik – und die Hausfrau und Mutter steht weiter unter Artenschutz. Aber die CDU-Frauen, sofern sie nicht resigniert haben, spüren Aufwind. Denn eine moderne Frauenpolitik, die Karriere und Kinder kompatibel macht und ökonomische Selbstständigkeit begünstigt, kann ja heute ohne jeden Feminismus so begründet werden, dass sie irgendwie, irgendwann auch Konservativen einleuchten müsste – nämlich demografisch und ökonomisch.

Wie dem auch sei – von Adenauer zu Angela Merkel, von der Alibifrau zur ersten Kanzlerkandidatin der Republik: Das allein ist schon eine verblüffende Geschichte.