Es war der 11. Juli, als die Union aus CDU und CSU eine Wende vollführte. Im Fall eines Sieges bei den vorgezogenen Bundestagswahlen im September wolle sie die Eigenheimzulage abschaffen, hieß es in dem an diesem Tag präsentierten 39-seitigen Wahlprogramm der Opposition. Es war der Tag, an dem eine längere parteiinterne Debatte endete.

Es war auch der Tag, an dem den deutschen Bausparkassen der letzte große Verbündete im Kampf gegen die Abschaffung der Eigenheimzulage abhanden kam. Vehement stemmen sie sich seit Jahren gegen den Wegfall der höchsten Einzelsubvention im Bundeshaushalt – für sie stellt sie einen wichtigen Anreiz dar, mit dem sie Kunden zum Abschluss von Bausparverträgen oder Baukrediten bewegen können. Trotzig warben sie bei den Bürgern auch am 11. Juli im Fernsehen mit der Aussicht auf ein eigenes Haus und die staatliche Förderung.

Unerwähnt blieb dabei, dass die Eigenheimzulage inzwischen auch für die Bausparkassen nicht mehr ist als ein taktisches Element in ihrer großen Lobbystrategie. Sie ist zu einem Symbol geworden in einem Kampf, in dem die Bausparkassen in Wahrheit ganz andere Ziele verfolgen.

Umstritten ist die 1996 von der Regierung Helmut Kohl eingeführte Eigenheimzulage schon lange. Seit Jahren wird kritisiert, dass der Zuschuss gewährt wird, obwohl mehr als eine Million Wohnungen leer stehen. Als deutlich wurde, dass der Sparwille von Bundesfinanzminister Hans Eichel sich auch auf die Eigenheimzulage richten würde, schlossen sich im April 2002 insgesamt 19 Verbände aus der Bau- und Immobilienwirtschaft zur Initiative Wohneigentum zusammen. Als Meinungsführer profilierten sich schnell – die Bausparkassen. Bald wussten sie die CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat auf ihrer Seite. Das Ergebnis ihrer Bemühungen: Statt auf eine Streichung einigten sich Regierung und Opposition 2003 lediglich auf eine Kürzung um 30 Prozent. Außerdem bekamen nun diejenigen, die sich eine gebrauchte Wohnung kauften, die gleiche Förderung wie der Hausbauer.

"Wir haben 25 Millionen Kunden mit vitalen Interessen"

2004 ging der Kampf in die nächste Runde. Im Oktober des vergangenen Jahres verabschiedete der Bundestag das Gesetz zur finanziellen Unterstützung der Innovationsoffensive durch Abschaffung der Eigenheimzulage. Bis 2011, so die Rechnung der Regierung, ließen sich damit jährlich im Schnitt sechs Milliarden Euro einsparen. Das Geld solle zu 75 Prozent in Bildung und Forschung fließen und zu einem Viertel für Stadtumbau und Städtebauförderung genutzt werden.

Zu dieser Zeit hatte die Front der Initiative Wohneigentum bereits zu bröckeln begonnen. Eine Reihe von Verbänden machte sich die Argumente etwa des Umweltbundesamtes zu Eigen, das vor weiterem unüberlegten Flächenverbrauch warnte und auf eine Neuorientierung in der Wohnungspolitik drängte. Sogar der konservative Eigentümerverband Haus und Grund sprach sich schließlich dafür aus, durch eine Umgestaltung der Eigenheimzulage gezielt die Stadtentwicklung zu fördern.