Viel Geld lässt es sich der deutsche Staat kosten, um seine Bürger zum Erwerb selbst genutzten Wohneigentums zu bewegen. Mit rund elf Milliarden Euro hat die Eigenheimzulage die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen allein 2004 belastet. Hinzu kommen die Bausparprämie, mit denen der Finanzminister die jährlichen Einzahlungen des Bausparers aufstockt, und die Arbeitnehmersparzulage, durch die Vater Staat Arbeitnehmer zur Vermögensbildung animieren möchte. Auch dieses Geld fließt oft in Bausparverträge oder in die Abzahlung einer Immobilie. Daneben gibt es zusätzlich diverse Mittel in den einzelnen Bundesländern und solche, die unter ökologischen Gesichtspunkten gewährt werden.

Müssen die Deutschen zum eigenen Haus oder zur eigenen Wohnung getragen werden? Ja und nein. Mit der staatlichen Unterstützung steht die Bundesrepublik nicht allein da. Alle Länder der Europäischen Union schießen Geld zu, wenn gebaut oder Eigentum gekauft wird – meist allerdings über Steuervergünstigungen. Einer Studie der Industrieländerorganisation OECD zufolge profitieren die Bürger anderer Länder dabei weitaus mehr als die Deutschen von der staatlichen Wohneigentumsförderung, so etwa die Niederländer, Italiener oder Dänen. Deutschland nimmt in dieser Hinsicht nur einen Mittelplatz ein. Vor der Einführung der Eigenheimzulage 1996 wurde auch den deutschen Häuslebauern über individuelle Abzugsmöglichkeiten von ihrer Einkommensteuer nur indirekt und damit nicht so sichtbar geholfen.

Eher mittelmäßig ist hierzulande auch die Verbreitung von Wohneigentum. Laut einer Studie der gemeinnützigen Schader-Stiftung leben rund 45 Prozent der Westdeutschen in den eigenen vier Wänden, in Ostdeutschland sind es nicht einmal 35 Prozent. In Europa haben nur die Schweizer eine noch geringere Wohneigentumsquote. In Frankreich liegt sie bei 63 Prozent, in Großbritannien, das die Wohneigentumsförderung in den vergangenen Jahren auf beinahe null zusammengestrichen hat, bei fast 70 Prozent und in Spanien, Griechenland, Irland und Italien gar um die 80 Prozent.

Experten erklären diese Unterschiede mit der Geschichte der einzelnen Regionen. Die Staaten mit den meisten Hauseigentümern haben eine ländliche Struktur. Seit Jahrhunderten ist es dort üblich, sich sein Häuschen – und mehr ist es oft nicht – auf das eigene Stück Land zu setzen. Und während in der Industrialisierungsphase im damaligen deutschen Kaiserreich in den Städten riesige Mietskasernen errichtet wurden, entstanden zum Beispiel in Großbritannien eher ein- oder zweigeschossige Bauwerke, die auch als eigenes Domizil attraktiv werden sollten. Daher liegt selbst in einer Stadt wie London die Wohneigentumsquote bei fast 60 Prozent.

Ein weiterer Grund: In Deutschland fallen Mieten im europäischen Vergleich gering aus. Sie relativ niedrig zu halten ist den Vermietern auch durch die günstigen Abschreibungsmöglichkeiten im Mietwohnungsbau möglich. Forschungsinstitute weisen schon länger auf dieses Ungleichgewicht zwischen Eigentümern, die selbst in ihre Häuser einziehen, und solchen, die sie zur Vermietung bauen, hin.

Trotz aller Zahlen: Auch die Deutschen wollen am liebsten Herr im eigenen Haus sein. Fast 60 Prozent der Mieter wünschen sich einer Umfrage des Eigentümerverbandes Haus und Grund zufolge Wohneigentum, in dem sie machen können, was sie wollen. Doch die meisten von ihnen belassen es beim Träumen – aus Mangel an Eigenkapital oder aus Angst vor Überschuldung. Woe