Es ist schwer, für die sunnitischen Araber Partei zu ergreifen. Immerhin bildeten sie den Kern der Diktatur Saddam Husseins, immerhin kommen aus ihren Reihen die Aufständischen, die Tag für Tag Zivilisten und irakische wie ausländische Soldaten töten. Nein, es ist nicht einfach, um Verständnis für die Sunniten zu werben.

Doch ist genau dies im Augenblick vonnöten. Die Iraker basteln nämlich an ihrer Verfassung. Und es sieht danach aus, dass die Bedürfnisse und Interessen der Sunniten dabei nicht berücksichtigt werden. Jedenfalls erheben sie schwere Vorwürfe gegen Kurden und Schiiten. Tatsächlich sieht die geplante Föderalisierung des Iraks vor, dass Kurden und Schiiten autonome Gebiete erhalten, vor allem aber die reichen Ölfelder kontrollieren. Kirkuk und Basra hießen die neuen Zentren der Macht, nicht mehr Bagdad.

Was bitte, könnte man fragen, soll daran falsch sein? Das Öl liegt nun mal dort, wo es liegt. Kurden und Schiiten konnten diesen Reichtum nie nutzen. Die Sunniten hinderten sie daran, mal mit Gewalt, mal mit Intrige, mal mit politischer Macht. Immer aber blieben Kurden und Schiiten ausgeschlossen. Nun, endlich, ist es so weit. Warum sollten sie auf ihre Rechte verzichten?

Weil der Irak ohne Sunniten keine Zukunft hat. Wenn sie nicht mitmachen, zerbricht der Staat. Dann mögen Kurden und Schiiten zwar ihre Gebiete einschließlich Ölquellen kontrollieren – nur glücklich werden sie darüber nicht werden. Denn der Zerfall wird sehr blutig. Keiner wird zur Ruhe kommen, ganz gleich, wie viel Rechte oder wie viel Öl er hat.