Deutschland darf am 18. September wählen. Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg für Neuwahlen frei gemacht, so wie schon einmal vor 22 Jahren.

Zwei extreme Meinungen waren im Gericht aufeinander geknallt: Der Kanzler ist in der Vertrauensfrage völlig frei, es gibt keine inhaltlichen Voraussetzungen, sagte die eine Richterin. Nein, er darf sie nur stellen, wenn er das Vertrauen auch tatsächlich verloren hat, sagte der andere Richter. Die Mehrheit jedoch positionierte sich irgendwo dazwischen und folgte dem Urteil von 1983. Danach hat der Kanzler für die Beurteilung, ob er noch das Vertrauen der Mehrheit genießt, einen weiten Ermessensspielraum. Der Bundespräsident darf davon nur abweichen, wenn zwingende Gründe dafürsprechen. Schröder und Köhler haben sich geradezu an diesen Richterspruch geklammert, Karlsruhe hätte ihnen deshalb kaum "Pustekuchen!" zurufen können.

Natürlich besaß der Kanzler irgendwie noch die Zuneigung von SPD und Grünen – aber irgendwie auch wieder nicht. Wer kann schon in die Köpfe von Abgeordneten hineinschauen. In der entscheidenden Abstimmung jedenfalls haben die Parlamentarier Schröder die Unterstützung entzogen, allein das zählt. Zudem: Gerhard Schröder hat die Vertrauensfrage nicht zu seinem Vorteil missbraucht. Im Gegenteil, er und seine Partei müssen jetzt mit dem Machtverlust rechnen. Das zählt ebenso.