Auch ich kann Karriere und Familie nicht vereinbaren. Mein Beruf und Arbeitgeber ermöglichen mir das Zuhausebleiben nicht. Ich bin ein Mann und Akademiker. Also: Weder Männer noch Frauen schaffen das. Was hat das Thema speziell mit Frauen zu tun? Wer arbeitet, hat um 8 Uhr bei der Arbeit zu erscheinen und möglichst lange dort zu bleiben. Karriere geht nur mit erheblich höherem Zeitaufwand, verlangt heute ständige Erreichbar- und Verfügbarkeit, räumliche Flexibilität, die Unterwerfung unter globale Planungen und befristete Arbeitsverhältnisse, alles Gift für die Familie.

Das Konzept Karriere weigert sich also, sich mit dem Konzept Familie vereinbaren zu lassen. Das könnten wir alles ändern, wenn wir wollten: Verbindet Familie mit sozialem Status und finanziellem Erfolg, macht Familienfreundlichkeit statt zum Kostenfaktor lieber zum Standort- und Marktvorteil!

DR. ROLF KLEIN, SPEYER

Heute sind die Politik und die Arbeitgeber gefragt. Als Personalrätin bin ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen derzeit dabei, ein vernünftiges Modell zu erarbeiten, wie sich Familie und Berufstätigkeit gut vereinbaren lassen (Betriebskindergärten, Telearbeitsplatz, flexible Arbeitszeiten). Es wird ein langer Weg mit zähen Verhandlungen sein. Ich würde mir wünschen, dass ich noch erleben kann, dass meine Tochter davon profitiert.

URSULA HELLER, BONN

Ein Kind zu bekommen bedeutet für eine Frau, sich in die Abhängigkeit eines Mannes zu begeben und ihm tief zu vertrauen. Insgesamt, denke ich, haben Akademikerinnen mehr zu verlieren als weniger qualifizierte Frauen. Wird eine Akademikerin mit Kind allein gelassen, wäre das so gut wie sicher das Ende ihrer Karriere und damit meist auch des erfüllenden Berufslebens. Es wäre auch das Ende ihrer so hart erarbeiteten Unabhängigkeit und des Lebensstandards. Ich glaube, dass die häufig zitierte Aussage kinderloser Akademikerinnen, es fehle der richtige Mann zum Kinderkriegen, nicht bezogen ist auf Vatersein, Haushalt oder eine hässliche Nase, sondern vielmehr so gemeint ist, dass man dem Partner ebendieses tiefe Vertrauen nicht entgegenbringen kann. Daher entscheiden sich vielleicht auch viele Akademikerinnen erst zu einem Kind, wenn sie bereits Karriere gemacht haben.

So minimieren sie das mit einem Kind verbundene Risiko, Unabhängigkeit, Lebensstandard und die Karriere zu verlieren, sollte der Partner sie verlassen.