Arnold Schönberg nannte die Musik von Kurt Weill einmal die einzige ihm bekannte, in der er überhaupt keine Qualität erkennen könne. Schönberg war geschockt vom Erlebnis der Dreigroschenoper, er fand es zutiefst suspekt, dass der Erfolg Weill in der Ansicht bestärkt hatte, eine verständliche Sprache für ein breites Publikum zu entwickeln, ohne ästhetische Überzeugungen preiszugeben. Der wiederum bescheinigte Schönberg konzessionslose Unbeirrbarkeit des Fanatikers, der einen Erfolg zu Lebzeiten fast als einen Rückschritt betrachtet. Weill hätte eine zentrale Figur im deutschen Musikleben nach 1925 werden können, doch zum einen zwangen die Nationalsozialisten den jüdischen Kulturbolschewisten ins Exil, zum anderen wollte Weill wohl selber nicht. Die Zugeständnisse an den Broadway während der vierziger Jahre empfand er keineswegs als Verrat an der Kunst, und die Tradition der deutschen und europäischen Kunstmusik scheint ihn nach 1940 nicht im Mindesten interessiert zu haben.

Dabei hat er noch 1933 Musik komponiert, auf die sich alle berufen können, die Weill für die deutsche Kunst retten möchten - die 2. Sinfonie zum Beispiel, im Oktober 1934 von Bruno Walter in Amsterdam ohne den leisesten Erfolg uraufgeführt. Sie ist radikal in ihrem rigorosen Festhalten an der Tonalität, ihrer Verständlichkeit, ihrer rhythmischen und melodischen Prägnanz, vor allem aber spricht aus ihr eine überwältigende Emotionalität.

Fast schon unverschämt wirkt die Selbstverständlichkeit, mit der der Weill der Dreigroschenoper in den Frack des seriösen Sinfonikers schlüpft und seine Songs in streng verarbeitetes thematisches Material umschmilzt. Und doch liegt über dieser wunderbaren Musik der Schatten einer leisen Resignation.

Als habe Weill geahnt, dass er sich mit ihr endgültig von Deutschland und seinem Lehrer Busoni verabschiedet.

Davon ist in der 1. Sinfonie aus dem Jahr 1921 nichts zu spüren. Das von Schreker, Mahler und Schönbergs erster Kammersinfonie beeinflusste Werk, glänzend instrumentiert und unbekümmert pathetisch, zeugt von jenem Glauben an die sinfonische Tradition, den Weill bald verlieren sollte.

Kurt Weill: Sinfonien Nr. 1 und Nr. 2,

Lady in the Dark - Symphonic Nocturne