Es gibt zwei Bilder der Machtpolitikerin Angela Merkel, die auf Anhieb nicht so recht zusammenpassen. Das eine zeigt die CDU-Vorsitzende als raffinierte Einzeltäterin, die, mit nichts außer ihrem Mut und ihrem Verstand bewaffnet, durch die politischen Reviere streift und dabei einen Konkurrenten nach dem anderen niederstreckt. Kohl, Schäuble, Merz – die Liste ihrer Opfer ist lang. Das andere Bild zeigt Merkel an der Spitze einer Art Frauenloge: eine misstrauische Politikerin, die sich ausschließlich mit Geschlechtsgenossinnen umgibt und Netze spannt, die von Friede Springer bis Alice Schwarzer reichen.

Doch welches von beiden Bildern stimmt? Gibt es den Frauenbund Merkel? Oder handelt es sich dabei am Ende nur um eine – Männerfantasie?

Es war wohl doch ein wenig ungewohnt für viele, als im April 2000 eine Frau das Büro des CDU-Vorsitzenden in der Parteizentrale bezog. Schnell machte jedenfalls das Wort vom "Girls-Camp" die Runde. Spöttisch war es gemeint, auch ein wenig herablassend. Zugleich verriet es Unbehagen. Ein Unbehagen der Männer in der Partei und in den Medien, dass sie es nun nicht nur mit Merkel, sondern gleich mit drei Frauen im Konrad-Adenauer-Haus zu tun hatten.

Bis heute gehören Büroleiterin Beate Baumann und Pressesprecherin Eva Christiansen zu Merkels engsten Vertrauten. Baumann, 41, begleitet Merkels politischen Aufstieg seit 1992; Christiansen, 36, begann ihre Arbeit in der Pressestelle der Partei noch in den letzten Tagen der Ära Kohl. Beide sind wichtig, und dass sie mit ihrer Vorsitzenden gelegentlich herzhaft über die Eitelkeiten der CDU-Männer lästern, darf als gesichert gelten. Dennoch lässt sich Merkels Umfeld nicht derart reduzieren. Der frühere Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann etwa erledigte während der Spendenaffäre die parteiinternen Aufräumarbeiten, ohne die Merkel niemals den Sprung von der Generalsekretärin zur Parteichefin geschafft hätte. Auch Hausmanns Nachfolger Johannes von Thadden ist, nun ja, ein Mann.

Doch weil drei Frauen noch kein richtiges Camp ergeben, werden stets weitere Mitstreiterinnen genannt: CDU-Vize Annette Schavan, die frühere Chefin der Jungen Union, Hildegard Müller, oder die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer. Sicherlich, alle drei gehören zum politischen Freundeskreis Merkels, aber Truppen in der Partei stellen sie nicht. Ganz anders als der mächtige Andenpakt, jener exklusive Herrenclub in der CDU, dem unter anderem die Ministerpräsidenten Wulff, Koch und Oettinger angehören. Über wie viel – oder, genauer gesagt, wie wenig – Macht die Frauen in der CDU verfügen, konnte man unlängst in Baden-Württemberg beobachten, als Annette Schavan gegen Günther Oettinger parteiintern für das Amt des Ministerpräsidenten kandidierte – und deutlich unterlag.

Wer nach wirklich einflussreichen weiblichen Verbündeten der CDU-Vorsitzenden sucht, muss sich außerhalb der Partei umschauen. Von der Verlegerin Friede Springer weiß man, dass sie Merkel schätzt und gelegentlich trifft – was, parteipolitisch betrachtet, keine wirkliche Sensation ist. Schon überraschender klangen die öffentlichen Elogen von Liz Mohn. Die heimliche Bertelsmann-Chefin hatte im Oktober 2003 eine Laudatio auf Merkel gehalten ("Da sind keine kalten Augen. Im Gegenteil: Da ist viel Wärme"), die sie später auch als Artikel im Monatsmagazin Cicero veröffentlichte.

Nur: Wofür stehen diese Kontakte? Was verabreden Springer, Mohn und Merkel, wenn sie die Köpfe zusammenstecken? Ein Komplott gegen die Männerwelt? Wohl kaum. Der vermeintliche Frauenbund folgt eher den Geschäftsbeziehungen, wie Männer sie seit jeher pflegen. Und nur weil drei einflussreiche Frauen zusammenkommen, drehen sich die Gespräche noch nicht zwingend um Frauenpolitik.