Als ein deutscher Gewerkschafter den chinesischen Gast vorwurfsvoll fragte, ob nicht der neue kapitalistische Kurs Ungleichheit produziere, antwortete der kluge Kommunist, fein lächelnd: Keine Sorge, alle werden reich, nur nicht alle auf einmal. Zu tadeln ist dagegen die Aufregung jener deutschen Blätter, die Oskar Lafontaines mammonöses Denken beklagen. Eine Finca für 3000 Euro pro Woche leiste er sich in Mallorca, einen Privatjet für 17 500 Euro habe er für die Reise zu einem Interview gefordert - von seiner weitläufigen Villa im Saarland ganz zu schweigen. Er predige Leitungswasser und schlürfe Perrier.

Bedächtigere Blätter wie dieses halten dagegen und erinnern an Exparteifreund Schröder, der zum Premier Cru gern die kubanische Double-Corona nimmt. Das ist kein elitärer Gestus, sondern guter Geschmack, der jedes Vorbild (neudeutsch: Rollenmodell) ziert. Würden wir unsere Führer achten, wenn sie Holzklasse und Campingplatz vorzögen? Sollen sie unsere kleinbürgerlichen Sekundärtugenden teilen? Es reicht schon, wenn sie neuerdings bunte gestreifte Schlipse tragen.

Doch geht die Sache tiefer. Indem Oskar L. den gehobenen Konsum pflegt, pumpt er erstens Geld in die müde Konjunktur. Zweitens verhält er sich als vorbildliche Ich-AG im Sinne der Agenda 2010: Seht her, was ihr schaffen könnt, wenn ihr geschmeidig im Lebensweg und flexibel im Arbeitsmarkt seid - mal dieser, mal jener Partei dient, mal in Bild, mal in der taz schreibt.

Der chinesische Kommunist hatte Recht: So werden alle reich, nur nicht auf einmal. L. ist kein Heuchler, er ist unser Deng Xiaoping.