Zufriedenheit, wohin man schaut. Zum zweiten Mal haben wirtschaftsnahe Forscher im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die Bildungssysteme der Bundesländer verglichen, und diesmal kennt ihr "Bildungsmonitor 2005" fast nur Sieger. Bayern und Baden-Württemberg liegen im Gesamt-Ranking wie im Vorjahr ganz vorne, doch Thüringen und Sachsen folgen dichtauf. Und der bisherige Vorletzte Berlin landet auf dem ersten Platz im neuen Dynamik-Ranking, das die Reformkraft der Länder wiedergeben soll. Auch Dauerschlusslicht Bremen gehört zur Spitzengruppe in Sachen Dynamik. "Das ist wirklich eine erfreuliche Entwicklung", sagt Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft, der gemeinsam mit seinem Kollegen Axel Plünnecke die Studie verfasst hat. "Hoffentlich nutzen die Länder den Schwung, um die Reformen weiter mutig voranzutreiben." Enttäuschend sind die Ergebnisse vor allem für Sachsen-Anhalt, das die rote Laterne übernimmt, sowie Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland, die deutlich zurückfallen im Ländervergleich. BILD

Für die Rangliste haben die Forscher erneut über 100 Einzelmerkmale verglichen, darunter die Daten der zweiten Pisa-Studie und der Grundschulstudie Iglu, Betreuungsrelationen in Kindergärten, Schulen und Universitäten und das Durchschnittsalter der Lehrer. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die vor allem von den Arbeitgeberverbänden getragen wird, macht seit Jahren Lobbyarbeit für mehr Wettbwerb und weniger Staat. Eine an Effizienz, Innovation und Qualität orientierte Bildungspolitik sei eine wichtige Voraussetzung für mehr Wirtschaftswachstum, betonen die Autoren der Studie. Der Bildungsmonitor soll eine Art Generalinventur des deutschen Bildungswesens sein, Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern ermöglichen und den Wettkampfgeist der Kultusminister wecken.

Was zu gelingen scheint. "Unser Abschneiden ist eine Ermutigung für die geprügelte Hauptstadt", sagt Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD), sein Bremer Kollege Willi Lemke (SPD) jubelt: "Sensationell, wie weit wir in so kurzer Zeit gekommen sind. In einigen Bereichen haben wir richtig gut gepunktet. Den Weg gehen wir weiter!" Besonders zugelegt hat Bremen beim Fremdsprachenunterricht, wo der Stadtstaat eine Spitzenposition einnimmt, beim Anteil der Studenten an der Gesamtbevölkerung und den Drittmitteln je Professor. Die besseren Pisa-Ergebnisse haben Bremen ebenso geholfen. Pisa ist übrigens auch einer der Gründe, warum Berlin im Dynamik-Ranking vorn liegt und in der Gesamtrangliste einen Riesensatz von Platz 15 auf 10 machen konnte. Denn noch im vergangenen Jahr hatte das Land Strafpunkte kassiert, weil es an der ersten Pisa-Runde nur mit wenigen Schulen teilgenommen hatte. Daneben schneidet Berlin vor allem im Hochschulbereich stärker ab, etwa bei der Zahl internationaler Hochschulkooperationen, der Zahl ausländischer Studenten oder dem Anteil der Absolventen im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften. Schwach bleiben beide Stadtstaaten bei der Höhe der Gesamtausgaben für Bildung, trotz zum Teil erheblicher Steigerungen. Hier können die Spitzenreiter Bayern und Baden-Württemberg punkten, denen die Autoren ansonsten wenig Reformeifer attestieren.

Genau diese seltsame Diskrepanz in der Bewertung ist es, die Bildungsforscher am Konzept des Bildungsmonitors kritisieren. "Wenn man das liest, könnte man denken, Bayern fällt zurück", sagt Klaus Klemm, Leiter der Arbeitsgruppe Bildungsforschung/Bildungsplanung an der Universität Essen. "Natürlich müssen Länder mit Nachholbedarf wie Bremen oder Berlin mehr ändern. Sie dafür aber als dynamisch zu loben, halte ich für problematisch." Zudem sei die Auswahl der Indikatoren wie schon im Vorjahr nicht hinreichend abgesichert. "Dass kleinere Klassen zu besseren Leistungen führen, ist nicht bewiesen. Dass sich der Einwandereranteil auf die Ergebnisse auswirkt, dagegen schon. Beides gleich zu gewichten, halte ich daher für nicht nachvollziehbar."

Ein Ergebnis des Bildungsmonitors allerdings bezweifelt spätestens seit der zweiten Pisa-Runde kaum einer: Es ist tatsächlich Bewegung gekommen in den Bildungsstandort Deutschland. Das von wirtschaftsnahen Forschern bescheinigt zu bekommen ist jedoch etwas Neues. Dabei hat das Ranking noch nicht einmal jene Reformen berücksichtigt, die sich derzeit in der Umsetzung befinden, denn die Daten beschränken sich auf das Jahr 2003. "Doch die aktuellen Vorhaben sind die spannendsten", sagt Klemm.