Im Kindergarten meines Sohnes hat neulich ein Junge neun Puppen kaputtgemacht, ja regelrecht zerstört, und dann im Sandkasten verbuddelt.

Da war natürlich helle Aufregung im Kindergarten. Nun ist dieser Junge in psychologischer Behandlung. Na ja, dort gehört er wohl auch hin.

Obwohl - im Vertrau'n gesagt: Ich meine, wo er welche Werte vermittelt gekriegt hat und so, das spielt doch auch eine Rolle. Das Große und Ganze meine ich, irgendwie hängt das doch auch alles damit zusammen, was der gemacht hat. Ja, und da denke ich eben, so ganz schuldlos kann doch da der Kindergarten auch nicht sein an dem seinen gestörten Verhalten. Das geht doch schon damit los, dass dort allen alles gehört. Das Spielzeug gehört allen Kindern. Das ist für alle Kinder zum Spielen da, predigen die Kindergärtnerinnen immer, wenn es mal Streit gibt. Wenn man mal ein bisschen weiterdenkt - über den Tellerrand hinausguckt sozusagen -, kann man sich doch leicht vorstellen, was da in so einem Kind seiner Seele angerichtet wird.

Also, was ich sagen will: In so einem Kindergarten regiert doch die Gleichgültigkeit. Die Kinder lernen doch da kein bisschen, sich irgendwie verantwortlich zu fühlen für das, was ihnen gehört. Weil - ihnen gehört ja dort nichts, echt gar nichts. Nicht mal das Tellerchen, von dem die mittags essen, gehört denen. Tja, und da fragt man sich natürlich - gerade jetzt, wo das mit diesem einen Jungen mit den neun Puppen passiert ist -, also, da fragt man sich natürlich schon, wie die Kindergartenkinder im Allgemeinen da überhaupt irgendwie'n Gefühl dafür vermittelt bekommen sollen, was Eigentum ist und wie man damit umgehen muss, dass es nicht zu Schaden kommt und so was alles. Denn die Sache ist ja die: Denen fehlt ja völlig die Orientierung.

Wenn Kinder von selber auf ihr Spielzeug aufpassen wollen, hat das ja auch irgendwo was mit Verantwortung zu tun, nicht wahr? Und das geht den Kindern in diesen Kindergärten eben völlig ab. Kriegen die direkt so anerzogen dort, von klein auf schon.

Denk ich mir jedenfalls so. Und man sieht's ja auch an solchen Sachen, die dann eben vorkommen, dass da irgendwas nicht ganz in Ordnung sein kann mit diesen Kindergärten. Wie eben jetzt mit dem Jungen mit den neun Puppen zum Beispiel. Also mit meinem Sohn wär' mir das nicht passiert - zu Hause, mein' ich jetzt. Da weiß der ganz genau, wo's langgeht. Das meiste, was der zu Hause hat, ist sowieso echtes Markenspielzeug. Das weiß der auch, das haben wir ihm klipp und klar gesagt, wie wertvoll das ist, immer wieder. Das hat der jetzt auch kapiert. Der würde nichts von dem guten Spielzeug kaputtmachen, da kann ich meine Hand dafür ins Feuer legen. Da hat er viel zu viel Angst. Weil er genau weiß, dann müsste er das neue Spielzeug selber aus seinem Sparschwein bezahlen. Und da ist eben nicht so viel drin, dass es für echtes Markenspielzeug reichen würde. Und da würde es eben doch nur für irgendwelchen billigen Plunder reichen, den man sowieso nie in der Werbung sieht. Und das will er dann doch nicht. Da hat er irgendwie schon so seinen Besitzerstolz in dem Alter. Find' ich süß. Ist aber eben auch wichtig. Denn wenn du weißt, wie viel was gekostet hat, machst du's eben auch mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit kaputt, als wenn du's nicht weißt. Weil sonst immer irgendjemand aus deinem Freundeskreis denken wird, du konntest dir's nicht leisten, wenn du's nicht mehr hast. Und das - das kennt man ja von sich selber - ist ein verdammt blödes Gefühl, dann plötzlich so dazustehen, nicht dazuzugehören, einfach draußen zu sein. Ein scheußliches Gefühl - ein Gefühl, das man nicht mehr los wird, wenn man es nicht ganz gezielt besiegt.

Man hat schon von Leuten gehört, die kaltblütig Bankierssöhne im mittleren Schulkindalter ermordet haben, nur um dieses entsetzliche Gefühl der Ausgrenzung loszuwerden. Aber das - Pardon! - gehört selbstverständlich nicht hierher. Denn hier geht es ja ausschließlich um die gefehlte Sozialisation in den Kindergärten.