DIE ZEIT: Frau Ministerin, Sie haben in dieser Woche eine Initiative gestartet, mit der Sie in Deutschland Eltern-Kind-Zentren nach dem Vorbild der britischen Early Excellence Centre etablieren wollen. Was versprechen Sie sich davon?

Renate Schmidt: Eltern haben einen erhöhten Bedarf an Unterstützung. Ein afrikanisches Sprichwort sagt, dass für die Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf nötig sei. Weil es Dörfer dieser Art, die Großfamilien, nicht mehr gibt, müssen wir sie neu schaffen, um Eltern zu unterstützen, die wenig Erziehungskompetenz haben. Wir setzen auf integrierte Angebote, weil die herkömmliche Erziehungsberatung oft zu hochschwellig ist.

ZEIT: Was kann ein Eltern-Kind-Zentrum anderes leisten als ein gewöhnlicher Kindergarten?

Schmidt: Es sollte ein Ort der frühen Förderung von Kindern und guter Beratung der Eltern gleichermaßen sein. Erzieherinnen sollten die Möglichkeit haben, sehr intensiv mit den Eltern über die Kinder zu reden. Nur so können Defizite erkannt und rechtzeitig beseitigt werden. Ein Eltern-Kind-Zentrum kann konkrete Unterstützung bieten, Kurse zu Hauswirtschaft, Erziehungs- und Gesundheitsfragen oder auch Sprachkurse. Wichtig ist, Eltern und Kinder in einem gemeinsamen Blick zu haben. Damit kein Kind zurückbleibt.

ZEIT: Das klingt nach Super-Kita - mit einem Bauchladen voller Angebote für die ganze Familie. Die meisten Kitas arbeiten aber bereits personell und finanziell am absoluten Limit.

Schmidt: Wann immer wir früh in die Erziehung und Bildung unserer Kinder sowie in bessere Kompetenzen der Eltern investieren, sparen wir mittelfristig Geld. Bei der personellen Ausstattung muss man auf Kooperation setzen, auch auf ehrenamtliche. Die Erzieherinnen alleine können das auf keinen Fall leisten.

ZEIT: Besteht nicht die Gefahr, dass man die frühkindliche Bildung wieder aus den Augen verliert, wenn man den Fokus auf solche Zentren legt?