Nein, so wird das nichts. Paul Kirchhof ist ein ehrenwerter Mann und sein Steuermodell das allerschönste Werk politischer Illusionskunst. Aber es kann daraus nichts werden, und einige, auf die es ankäme, haben das ja auch gesagt. Andererseits: Es muss etwas geschehen. Deshalb bringt die Redaktion der ZEIT, in selbstverständlicher und freudiger Erfüllung ihrer vaterländischen Pflicht, hiermit ein radikal neues und radikal einfaches Steuermodell, im Folgenden Finis-Modell genannt, zum Vorschlag:

Das Finis-Modell beseitigt mit einem Schlag das Problem aller bisherigen Konzepte, die, indem sie die Reichen stärker besteuerten als die Armen, naturgemäß den aktiven und passiven Widerstand der Reichen provozierten, also Lobbyismus und Steuerflucht – und wer reich ist, hat bekanntlich Macht. Dem Finis-Modell zufolge würde mit wachsendem Einkommen die Steuerquote sinken und mit sinkendem Einkommen steigen. Der voraussehbare Widerstand der Armen würde dagegen wenig ausrichten können, weil geringes Einkommen mit geringem Einfluss verbunden ist, und das hat ja auch seine gottgewollte Richtigkeit. Je stärker der Bürger den natürlichen Akkumulationsdrang in sich ausbildet und zur Blüte bringt, umso mehr tut er für die Gesellschaft. Das Finis-Modell steigert diesen Bildungsdrang und fördert die Freude am Geldverdienen. Es spornt denjenigen an, dessen Gewinnerzielungsabsicht oder -fähigkeit zu schwach ausgeprägt ist.

Kirchhofs Vorschlag, so radikal er sich gibt, ändert nichts an der kontraproduktiven Wirkung steigender Last bei steigendem Einkommen. Deshalb kippt das Finis-Modell die jetzige Steuerkurve ins Spiegelbild: Geringe Einkommen bis 12000 Euro werden mit 42 Prozent besteuert, bis 52000 Euro mit 24 Prozent und oberhalb davon mit 15 Prozent. Die davon ausgehende erzieherische Wirkung ist sonnenklar: Jeder wird sich Mühe geben, mehr Geld zu verdienen, weil es sich lohnt. Der Einwand, die Reichen würden dadurch noch reicher und die Armen ärmer, ist gegenstandslos, weil erstens die Reichen sowieso immer reicher werden, egal, welches Steuermodell Anwendung findet; und zweitens den Armen deshalb nicht zu helfen ist, weil ja, wie es bei Fritz Reuter heißt, die Armut von der Powertee kommt. Und gegen die Powertee ist kein Kraut gewachsen, das wird auch Paul Kirchhof einsehen müssen. Finis