Das hat es an deutschen Tankstellen noch nie gegeben: Anfang der Woche kostete der Liter Superbenzin mehr als 1,40 Euro. Reine Abzocke, schimpfen die Autofahrer. Machen die Mineralölfirmen denn nicht satte Gewinne? Dazu kommen Spitzenpreise für Heizöl - ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem viele Haushalte ihre Tanks für den Winter füllen. Doch es geht nicht nur um den eigenen Geldbeutel. Deutschland bangt um den Aufschwung. Anhaltend hohe Rohölpreise auf dem Weltmarkt, teures Benzin und Heizöl: All das sind keine guten Voraussetzungen für Wachstum. Zumal auch die Preise für Gas und Strom schon bald nur noch eine Richtung kennen dürften - nach oben.

Mehrkosten für Heizöl und Benzin wirken auf die Verbraucher wie ein Entzug von Kaufkraft. Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft hat folgende Rechnung aufgemacht: Ein gut situierter Drei-Personen-Haushalt (3500 Kilowattstunden Strom im Jahr, 3000 Liter Heizöl und zwei Pkw) müsste beim aktuellen Preisniveau aufs Jahr gerechnet für seine gesamten Energiekosten 347 Euro mehr ausgeben als noch 2004 - davon mehr als ein Drittel nur fürs Autofahren.

Kommt dazu eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Punkte, wie sie die Union für den Fall eines Wahlsiegs angekündigt hat, dürfte die Konsumlaune der Deutschen noch weiter sinken. Zwar hatten die Verbraucher zuletzt mehr Kauflust erkennen lassen. Aber nun droht das Pendel zurückzuschwingen.

Übertrieben ist dagegen die Furcht, wie nach früheren Energiekrisen könnte nun die Inflation zurückkehren. Bei einem Durchschnittshaushalt machen die Posten Kraftstoffe und Heizöl heute nur gut vier Prozent der gesamten Ausgaben aus.

Empfindlicher trifft es da schon die Unternehmen, etwa in der Transportbranche. Sie müssen jeden Cent, den sie für den Liter Benzin oder Diesel mehr bezahlen, als Kosten verkraften - und werden daher immer versuchen, diese Zusatzkosten über ihre Preise an die Kunden weiter zu geben.

Gelingt das, trägt der Verbraucher die Last der teureren Energie. Gelingt das nicht, sinken die Unternehmensgewinne - und damit auch die Investitionen.

Auch das wäre Gift für die Binnennachfrage.